Bilanz 2012: Wert liegt in Hessen bei 126 Kilo

Kreisbewohner trennten statistisch 205 Kilogramm Bioabfall

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Abnehmer: Der Großteil des in den Landkreis-Anlagen wie hier in Rothwesten produzierten Kompostes wird von der Landwirtschaft genutzt. Die im Bild oben per Frontlader auf einen Hänger geschaufelte Menge wird auf Äckern ausgebracht. Unten sind Rotteboxen zu sehen, in denen der Bioabfall zu Kompost wird.

Fuldatal. Der Landkreis Kassel ist Spitze bei Bio- und Grünabfall. So trennten die Einwohner im zurückliegenden Jahr jeweils 205 Kilogramm unter anderem an Speiseresten und Grünschnitt, die durch die Abfallentsorgung Kreis Kassel eingesammelt wurden.

„Damit nimmt der Landkreis nicht nur eine Spitzenposition in Hessen ein, wo der Durchschnittswert bei 126 Kilogramm pro Einwohner liegt, sondern übersteigt auch den Bundesdurchschnitt um fast das Doppelte“, sagt Jenny Werner, Pressesprecherin vom Eigenbetrieb Abfallentsorgung. Die führende Position beim Sammelergebnis komme dank der Haushalte im Landkreis zusammen, die das getrennte System entsprechend nutzten. Und dies schon seit Einführung der Biotonne vor 20 Jahren.

Insgesamt stehe auf 97 Prozent der Grundstücke im Kreisgebiet eine Biotonne. 13 Prozent der Haushalte kompostiere ihre Bio- und Grünabfälle komplett selbst. Diese Zahl sei aber rückläufig, betont Werner. Wie auch der Anteil der kleineren, 120 Liter fassenden Biotonne. Da das Angebot kostenfrei sei, wechselten immer mehr Haushalte auf die große, 240 Liter fassende braune Tonne.

Das eingesammelte Material werde auf den drei Anlagen der Abfallentsorgung in Hofgeismar, Lohfelden und Fuldatal zu zertifiziertem Kompost verarbeitet. Hierzu werde dieser auf Nährstoff- beziehungsweise Schadstoffgehalt sowie Verunreinigungen untersucht.

Rohkompost für die Landwirtschaft

Sonderpreis: Anlagenleiter Agraringenieur Fritz Isenberg mit drei Rollen kompostierbarer Biobeutel zum Sammeln von Bioabfall, die jeweils für einen Euro verkauft werden.

Abnehmer ist in erster Linie die Landwirtschaft, aber auch Gewerbebetriebe und Privatpersonen werden unterschiedliche Qualitäten angeboten. So reiche der Rohkompost, der nach 14 Tagen in Rotteboxen aus Bioabfall entstehe, zur Verwertung in der Landwirtschaft. Hobbygärtnern hingegen werde ein Kompost angeboten, der feinkörniger sei und nach der Behandlung in Rotteboxen noch zehn und mehr Wochen auf offenen Mieten gelagert werde, sagt Jenny Werner.

Durch das Einsammeln von Bioabfall ging die Menge des Restabfalls um über 50 Prozent zurück. Dennoch finde sich in der grauen Tonne noch eine große Menge an Speiseresten und Küchenabfällen, wie eine Sortieranalyse durch das Witzenhausen-Institut Ende 2012 ergeben habe. Gerade mit diesen Bioabfällen ließe sich aber bei der Vergärung in der Biogasanlage in Vollmarshausen viel Energie gewinnen, betont die Pressesprecherin.

Damit die Kreisbewohner auch Speisereste und Küchenabfälle sammeln, bietet die Abfallentsorgung günstig kompostierbare Biobeutel zum Auskleiden der Vorsortierbehälter an. Die Rolle mit 25 Zehn-Liter-Beuteln koste einen statt drei Euro.

Infos: Abfallentsorgung Kreis Kassel, Telefon 05 61/10 03 11 33.

Von Michael Schräer

Hintergrund: Aus Bioabfall 13 676 Tonnen Kompost

Insgesamt wurden 2012 von dem Eigenbetrieb Abfallentsorgung Kreis Kassel 48.033 Tonnen Bio- und Grünabfall eingesammelt. Bis auf 1400 Tonnen Grünabfall, der in die Verbrennung ging, wurde das Material in Kompostierungsanlagen in Fuldatal, Lohfelden und Hofgeismar verwertet. Daraus entstanden 13.676 Tonnen Kompost.

Die größte Menge verarbeitete die Anlage in Lohfelden-Vollmarshausen mit 26.149 Tonnen Bioabfall. Hiervon gingen 23.000 Tonnen in die Vergärung einer Biogasanlage, die der Landkreis seit 2012 betreibt.

Dabei wurden 1,2 Millionen Kubikmeter Biogas gewonnen, mit dem man umgerechnet 2,5 Millionen kWh Strom erzeugte. Diese Menge reicht, um 700 Vier-Personen-Haushalte ein Jahr lang zu versorgen. (mic)

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