Ausstellung zum 100-jährigen Bestehen der Reinhardswaldschule in Simmershausen

Bildung für junge Mädchen

Blick von der Fulda: So sah die Reinhardswaldschule früher aus. Repro: Hobein

Fuldatal. Vor 100 Jahren schlug die Geburtsstunde der heutigen Reinhardswaldschule im Fuldataler Ortsteile Simmershausen. Ende des Jahres 1913 pachtete Eleonore Lemp die Kuranstalt Schocketal, die dem Sanitätsrat Dr. med. Johannes Gottlieb Schaumlöffel gehörte und unrentabel geworden war. Dort gründete sie die „Deutsche Frauenschule am Reinhardswald.

Mit einer Ausstellung erinnert der Geschichts- und Museumsverein (GuM) Fuldatal an Eleonore Lemp und ihr pädagogisches Wirken in „ihrer Reinhardswaldschule“. Die Ausstellung wird am Donnerstag, 5. September, um 19 Uhr im Christine-Brückner-Haus der Reinhardswaldschule eröffnet und findet im Rahmen der Fuldataler Kulturtage statt.

Eleonore Lemp hatte sich nach ihrer pädagogischen Ausbildung und verschiedenen Lehrtätigkeiten für eine bessere Stellung von Frauen eingesetzt und sich in der damaligen Zeit einen guten Ruf und Stand in der Gesellschaft erworben. „Mit großer Tatkraft und Energie versuchte sie ihre pädagogischen Ideen zu verwirklichen“, so GuM-Vorsitzender Volker Luckhard.

Reformschule

Eine erste Reformschule gründete sie 1906 in BerlinLichterfelde, die bald nicht mehr ihren Vorstellungen entsprach. 1911 erfolgte eine neue Schulgründung in Schloss Braunshardt bei Darmstadt, wo sich ihrer Erwartungen auch nicht erfüllten. Eine neue Stätte fand sie in der „Kuranstalt Schocketal“ im idyllischen Fuldatal.

Darüber schrieb Lemp einmal: „In der Stille des Fuldatales, umschlossen von lieblichen Höhen, umrauscht vom Reinhardswald, durfte ich sie mir schaffen: die Reinhardswald-Schule“.

Die Lehrtätigkeit in der „Deutschen Frauenschule“ begann am 20. März 1914. Hier wurden jungen Mädchen ab dem 16. Lebensjahr alle die geistigen Interessen, positiven Kenntnisse und praktische Fertigkeiten vermittelt, die sie als gebildete deutsche Frauen brauchten. Für Lebensunterhalt und Unterricht waren jährlich 1800 Mark zu zahlen.

Bereits 1915 konnte Lemp das Gelände mit allen Gebäuden kaufen, wofür sie günstige Kredite der Stadt Kassel erhielt. Schon 1917 erwarb sie auch die Schockemühle und mietete zwei Häuser am Schockeberg für den Schulbetrieb an.

Nachdem Zweiten Weltkrieg, das Gelände und einige Gebäude waren stark beschädigt, verkaufte Lemp die Reinhardswaldschule an die Stadt Kassel mit der Auflage, den Besitz immer für pädagogische Zwecke zu verwenden. So wird noch heute in der Reinhardswaldschule Lehrerfortbildung in verschiedenen Formen vom Land Hessen betrieben, das inzwischen Eigentümerin geworden ist. Eleonore Lemp, die am 12. März 1871 in Görlitz/Schlesien geboren wurde, verstarb am 20. Februar 1950 in Kassel, wo sie seit 1946 lebte.

Von Klaus Hobein

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