Ökologischer Landbau wächst im Kreis trotz Nachfrage nur mäßig

Bio-Landbau: Höfe hinken trotz hoher Nachfrage hinterher - Viele Hürden

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Ohne Dünger und Spritzmittel: Der Lohfeldener Landwirt Henner Gröschner kontrolliert einen Hummel-Kasten. Die Insekten unterstützen die Bienen beim Bestäuben des Rotklees, der als Futterpflanze, Gründünger und zur Stickstoffanreicherung verwendet wird.

Kreis Kassel. Die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln steigt rasant. Allein 2010 wuchs der Markt für Bioprodukte europaweit um knapp acht Prozent. Das bedeutet einen Umsatz von 20 Milliarden Euro. Doch auf Erzeugerseite ist das Wachstum in unserer Region deutlich bescheidener.

Die Zahl der Biohöfe in der Region nimmt nur moderat zu. Das hat auch mit den Anfangsschwierigkeiten bei der Umstellung auf Bio zu tun. Die Hürden können aus unterschiedlichen Gründen sehr hoch sein.

Henner Gröschner, ökologisch wirtschaftender Ackerbauer aus Lohfelden, der Rotklee, Getreide, Wicken und Senf anbaut sowie ökologisches Saatgut züchtet, kennt viele solcher Hürden. Schon sein Vater hat den Betrieb auf Bio umgestellt. „Als Biolandwirt muss man sich ständig etwas Neues einfallen lassen und in Systemen denken. Man hat ein höheres Risikoniveau“, sagt er. Das beginnt beim Kampf gegen das Unkraut, bei dem ihm keine Chemie zur Seite steht. Gröschner hat eine Methode entwickelt, mit der er durch größeren Reihenabstand zwischen den Getreidepflanzen des konkurrierenden Unkrauts besser Herr wird. Dafür hat der plötzliche, harte Frost im Februar seinen Dinkelfeldern schwer zugesetzt. Ein Biolandwirt leide stärker unter klimatischen Unbilden als ein Bauer im konventionellen Anbau, der mit Chemie einiges ausgleichen könne, sagt er. „Dennoch kann man mit ökologischer Landwirtschaft gutes Geld verdienen“, meint der überzeugte Biolandwirt Gröschner, dem sein Beitrag zum Natur- und Umweltschutz sehr wichtig ist.

Zwei Früchte auf einem Acker: Vorn sieht man die Schote der Wicken, die Gröschner zusammen mit Senf anbaut, dessen Früchte er zwischen seinen Fingern auf Reife prüft.

Ökologischer Landbau stelle hohe Anforderungen an den Landwirt und verlange beispielsweise im Gemüsebau „hochspezialisiertes Können“, sagt Thomas Schindler. Er berät für den Landesbetrieb Landwirtschaft Bauern, die mit einer Umstellung auf Bio liebäugeln. „Ein Biolandwirt muss wie ein Schachspieler fünf bis sechs Züge vorausdenken“, meint Schindler.

Das fachliche Wissen sei aber nur eine Voraussetzung für den nachhaltigen Erfolg des Biolandwirts. Die Umstellung müsse sich auch betriebswirtschaftlich lohnen. Das könne bei einem Milchbauern, der mit Öko-Milch einen deutlich besseren Preis erziele, der Fall sein. Für einen Schweinemast-Landwirt, der mit hohem Aufwand seine Ställe biogerecht umbauen müsse, sehe das oft anders aus.

Gregor Koschate, Geschäftsführer des Landwirteverbands Bioland-Mitte, macht außerdem den international ausgetragenen Preiskampf auf dem Bioprodukte-Markt und eine wachsende Discount-Mentalität als Hindernis für regionale Landwirte aus. „Wir konkurrieren inzwischen sogar mit China“, sagt er. Bei allem Idealismus müsse sich Bio für den Bauern auch rechnen. Wünschenswert seien höhere Fördermittel für die Umstellung.

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