Kompostierungsanlage des Kreises liefert zu wenig – Verlust beträgt 540.000 Euro

Biogas sorgt für hohes Defizit in Lohfelden

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Begehrter Brennstoff: 440 Kubikmeter Biogas können die beiden Speicherballons an der Kompostierungsanlage des Landkreises Kassel in Lohfelden aufnehmen. Doch der Ausstoß bleibt bisher hinter den Erwartungen zurück. Unser Bild zeigt die Bediensteten Thomas Ackermann (links) und Hans-Peter Schäfer bei der Inbetriebnahme der Anlage Anfang 2012.

Lohfelden/Kassel. Als der Landkreis Kassel zum Jahreswechsel Anfang 2012 seine Biogasanlage bei Vollmarshausen in Betrieb nahm, waren die Hoffnungen auf eine kostengünstige Energieerzeugung aus Bioabfällen groß. Bisher haben sie sich allerdings nicht erfüllt.

Denn in den beiden ersten Jahren der Gasproduktion an der Biokompostierungsanlage des Kreises wurde die prognostizierte Menge nicht erreicht. Statt 1,5 Millionen Kubikmeter Gas konnten im ersten Jahr nur 1,2 Mio. hergestellt werden. Dieser Ausstoß ist zu gering für einen wirtschaftlichen Betrieb.

In der Folge ist bei den Gemeindewerken Lohfelden im Jahr 2012 ein Verlust von 300.000 Euro entstanden, 2013 betrug der 240.000 Euro. Die Gemeinde nimmt das Gas ab und erzeugt damit in drei Blockheizkraftwerken Strom und Wärme für öffentliche Gebäude. Weil nur ein Teil der vertraglich vereinbarten Gasmenge geliefert wurde, konnte ein Blockheizkraftwerk teilweise nicht betrieben werden. Im Kasseler Kreishaus ist man trotzdem optimistisch: Man sei „auf einem guten Weg“, meint Vizelandrätin Susanne Selbert. Für 2013 rechne man mit einer Produktionsmenge von 1,4 Mio. Kubikmeter Gas.

Biogasanlagen dieser Größenordnung bräuchten „immer eine Einfahrphase, um die saisonalen Schwankungen bei der Zusammensetzung der Bioabfälle auszugleichen“, sagt Selbert. Das Erprobungsjahr 2012 habe gezeigt, dass es „im laufenden Betrieb Optimierungsprozesse“ gebe. Die Laufzeit der Biogasanlage ist auf 21 Jahre angelegt, Optimierungsphasen zum Beginn des Betriebs seien vor dem Hintergrund der langen Betriebslaufzeit zu sehen.

„Gewinn für die Umwelt“

Angestrebt werde eine Liefermenge von 1,5 Mio. Kubikmeter pro Jahr. Wenn die Liefermengen der vergangenen Monate gehalten werden, werde man die angepeilte Menge „2014 ohne Probleme erreichen“, so Selbert. „Auch unter diesen Voraussetzungen ist der Betrieb der Vergärungsanlage wirtschaftlich. Ein Gewinn für die Umwelt ist er sowieso.“ Mit der Gemeinde Lohfelden werde man sich über einen finanziellen Ausgleich wegen der geringeren Liefermenge verständigen, kündigte die Vizelandrätin an.

In der jüngsten Parlamentssitzung in Lohfelden wurde der Verlust von 240.000 Euro für das Jahr 2013 bei den Gemeindewerken kritisch gewürdigt, der im wesentlichen auf die zu geringe Liefermenge an Biogas zurückgeht. Von einer „Kostenentwicklung auf dem Rücken der Bürger“ sprach etwa Hans-Jürgen Fiegand (Unabhängige). Gemeindekämmerer Jochem Wenigmann kündigte für Januar eine Einigung über die Regressansprüche und das künftige Vorgehen mit dem Landkreis Kassel an. (ppw)

Von Holger Schindler

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