Biogas verpufft ungenutzt - Frank Hördemann will seit 2009 mehr Strom produzieren

Fuldatal/Vellmar. Landwirt Frank Hördemann versteht die Welt nicht mehr. Der Schweinemäster produziert in seinem Betrieb zwischen Simmerhausen und Frommershausen Strom aus Biogas. Seit knapp zwei Jahren plant er, seine Anlage zu vergrößern. Kann dies aber nicht, weil die Gemeinde Fuldatal und die Stadt Vellmar im Streit liegen.

Denn Hördemanns Betrieb liegt auf Fuldataler Gebiet. Seine Zufahrt über den Breiten Stein aber in der Vellmarer Gemarkung. Wird der Betrieb erweitert, gibt es zusätzlichen Schwerlastverkehr. Dieser könne über Jahre zu Schäden an der Straße beziehungsweise an dem befestigten Wirtschaftsweg (auch dies ist ein Streitpunkt) führen. Bei einem notwendigen Neubau könnte man den Fuldataler aber nicht anteilig zur Kasse bitten, so die Auffassung Vellmars. Aus diesem Grund erhob die Stadt Einwendungen gegen den Bebauungsplan Breiter Stein, den die Fuldataler Gemeindevertretung bereits im September 2009 aufstellte. Seitdem ruht das Vorhaben.

700 000 Euro will der Landwirt investieren. In einen größeren Motor (250 000 Euro), mit dem die Leistung seiner Anlage von derzeit 500 kW pro Stunde auf 650 bis 700 kW/h erhöht werde. Mit dem aktuell produzierten Strom könne er umgerechnet 700 bis 800 Haushalte versorgen, sagt Hördemann. Der Motorenraum soll erweitert und schallisoliert werden. Außerdem soll ein zusätzlicher Lagerbehälter (300 000 Euro) für die vergorene Biomasse mit einem Fassungsvermögen von 4000 Kubikmeter gebaut werden. Damit will der Landwirt den Gülle-Tourismus reduzieren. Denn seine Lagerkapazität von insgesamt 3300 Kubikmeter reiche nicht aus. Daher müsse er Gülle an andere Betriebe im Landkreis mit Lagersilos abgeben. Weil das Biosubstrat zum Beispiel von November bis Januar nicht auf Felder ausgebracht werden darf, „da die Pflanzen die Nährstoffe nicht aufnehmen können“, sagt Hördemann.

„Die Gemeinde Fuldatal kümmert sich nicht und Vellmar steht bei diesem Projekt seit Monaten auf der Bremse“, sagt CDU-Kreistagsabgeordneter Frank Hellwig. Und das, obwohl der Landkreis beschlossen habe, bis 2030 seine Energie komplett aus regenerativen Quellen wie Biogas-Anlagen zu beziehen und Vellmars Bürgermeister Stochla den Mittelstand unterstützen wolle. Mit seiner Investition schaffe Hördemann einen zusätzlichen, fünften Arbeitsplatz. Und der Betrieb sicherer die Existenz von Landwirten, die Speiseabfälle sammelten udn zulieferten, in der Summe 16 Familien.

Am Mittwoch sind die Pläne Hördemann Gegenstand beim Zweckverband Raum Kassel. Der muss einer Änderung des Flächennutzungsplans zustimmen.

Fuldatal und Vellmar im Clinch

ei den Erweiterungsplänen Hördemanns stehe die Gemeinde Fuldatal dem Landwirt „hilfreich zur Seite“, sagt Bürgermeisterin Anne Werderich. Daher habe man den Bebauungsplan auf den Weg gebracht, für dessen Kosten allerdings Hördemann geradestehen müsse. In Vellmar sei die Angelegenheit „ewig liegengeblieben“, aus dem Fuldataler Rathaus sei dann nachgefragt worden. Die Gemeinde sei der Ansicht beim Breiten Stein handele es sich um einen Feldweg, Vellmar aber spreche von einer Straße. Und wenn diese ausgebaut werden müsse, solle Fuldatal die Kosten übernehmen. „Wir reparieren aber keine Straße von Vellmar“, betont Werderich.

Auch stehe die Gemeinde nicht für Kosten gerade, die eine Privatperson in einer anderen Kommune verursache. Nach Absprache mit der Gemeinde habe Hördemann ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben. Werderich: „Wenn die Rechtslage geklärt ist, ich denke bis zur Mai-Sitzung, werde wir alles einvernehmlich lösen.“ „Wir haben versucht, mit der Gemeinde Fuldatal eine Vereinbarung zu treffen“, sagt Vellmars Bürgermeister Dirk Stochla. Er verweist auf eine alte Regelung zwischen Vellmar und Kassel am Eisenbahnweg, die vom Verwaltungsgerichtshof nach Anwohnerklage gekippt wurde. „Fuldatal vertritt diese alte Rechtsauffassung, die nicht mehr geht.“ Müsse die Straße Breiter Stein repariert werden, „können wir nur die Vellmarer Anlieger veranlagen, nicht aber Hördemann, der der größte Nutzer ist“, sagt der Bürgermeister.

Dies könne man niemandem in Vellmar erklären, „es ist unsere Aufgabe, dies im Sinne unserer Anwohner abzusichern“. Dies gehe nur über eine öffentlich, rechtliche Vereinbarung mit Fuldatal. Die Gemeinde stehe aber auf dem Standpunkt, sie dürfe es nichts kosten, bekomme aber die Steuern aus dem Betrieb. Mache Vellmar einen Bebauungsplan, „setzen wir uns ein, dass alle zustimmen können“, sagt Stochla Richtung Fuldatal. „Der Ball liegt nicht bei uns.“ (mic)

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