Volkssternwarte Rothwesten ermöglicht Blick in ferne Galaxien

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Auf dem Häuschensberg: Die Kuppel der Volkssternwarte ragt über die Baumwipfel hinaus.

Fuldatal. Valentin greift sich eine schwere Kurbel aus Metall und beginnt zu drehen. Zahnräder greifen ineinander und setzen lange Ketten in Gang. Langsam öffnet sich das Kuppeldach über dem Zwölfjährigen. Weit über das Land kann man schauen, und noch viel weiter in den Himmel.

Denn im Innern der Kuppel befindet sich die Volkssternwarte Rothwesten. Seit 50 Jahren thront das Observatorium auf der Spitze des Aussichtsturms auf dem Häuschensberg. Im September wird das Jubiläum gefeiert, die Festschrift ist bereits jetzt erhältlich. Ralf Gerstheimer hat sie geschrieben.

Betrieb mit Ehrenamtlichen

Der Hobby-Astronom gehört seit etwa drei Jahren zum Team der ehrenamtlichen Mitarbeiter, die den Betrieb der Sternwarte organisieren. „Das ist etwas ganz Außergewöhnliches - der Traum von einem Mann, von Georg Spitzer“, sagt er und erzählt anschaulich von den Anfängen der Sternwarte und von ihrem Erbauer.

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Schon in den 50er-Jahren hatte Spitzer die Idee, eine Volkssternwarte zu errichten. Sie sollte es jedermann ermöglichen, sich mit Astronomie zu befassen. „Zehn Jahre lang hat er jeden Tag an der Verwirklichung dieses Traumes gearbeitet“, erklärt Marcus Schüler vom Sternwarten-Team.

Ein Traum wird wahr

Spitzer baute das Gehäuse des ersten Fernrohrs. Er konstruierte das Achsensystem, das das Fernrohr trägt und die Ausrichtung auf jede Position des Himmels ermöglicht. Er entwarf die Kuppel und sägte jedes Brett für die Innenverkleidung mit der Hand zu.

Georg Spitzer organisierte sich Hilfe von Arbeitskollegen und Firmen, von Kommunen und sogar bei den amerikanischen Streitkräften. Mit Erfolg: Am 15. September 1963 wurde die Volkssternwarte eröffnet.

Blick in die Sterne: Manchmal muss man so wie Valentin auf die Leiter steigen, um durch das 30 cm-Newton-Spiegelteleskop die Sterne zu beobachten. Marcus Schüler (links) und Ralf Gerstheimer vom Team der Sternwarte erklären, was zu sehen ist.

„Und seitdem ist sie unverändert“, sagt Schüler. Nicht Computer, sondern Handarbeit steht im Vordergrund. „Man sieht die Technik, kann sie erklären und Astronomie hautnah erleben.“ Die eine oder andere Neuigkeit ist über die Jahre natürlich trotzdem dazugekommen. So gehören mittlerweile drei Teleskope zur Ausrüstung. Ein Flachbildschirm hängt an der Wand und seit 2012 gibt es im obersten Raum des Turms eine begehbare Kamera, die auch als einfaches spektroskopisches Labor genutzt wird.

Die Führungen sind heute wie damals kostenlos. „Wir wollen unseren Besuchern Astronomie verständlich machen. Wie entstehen Sterne, wie leben und sterben sie, wie ist das Weltall aufgebaut“, sagt Gerstheimer. Der Blick durch die Fernrohre bedeutet dabei immer auch eine Reise in die Vergangenheit.

„Betrachten wir den Rand unserer Milchstraße durch das Teleskop, so sehen wir, wie es dort vor 100 000 Jahren ausgesehen hat“, sagt Ralf Gerstheimer. So lange braucht das Licht, bis es hier angekommen ist, erklärt der 53-Jährige. Vom Rand der Milchstraße sind zwar noch keine Besucher in die Volkssternwarte gekommen. Überregional bekannt ist sie trotzdem. „Die Volkssternwarte in Rothwesten ist eine Einrichtung für die gesamte Region Nordhessen. Das ist die Tradition, und das wollen wir auch bewahren“, sagt Gerstheimer.

Der Standort war nicht von Anfang an klar

680 Mark für das erste Fernrohr

Die Volkssternwarte Rothwesten wurde am 15. September 1963 eröffnet, erbaut wurde sie von Georg Spitzer. Zunächst sollte die Volkssternwarte in Simmershausen errichtet werden, die Gemeinde stellte dafür eine Parzelle Land zur Verfügung. Von Kassel bekam Spitzer 5000 Backsteine, der Landkreis unterstützte das Vorhaben mit 680 DM für den Erwerb der Fernrohroptik.

Der damalige Bürgermeister Rothwestens, Fritz Kranke, schlug vor, die Sternwarte auf den Häuschensberg zu verlegen. Die Gemeinde baute von 1959 bis 1962 den Aussichtsturm, auf den anschließend die Kuppel der Sternwarte gesetzt wurde. Bis heute ist die Sternwarte Eigentum der Familie Spitzer, während der Turm der Gemeinde Fuldatal gehört.

50 Jahre Volkssternwarte Rothwesten

50 Jahre Volkssternwarte Rothwesten

Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde klappt laut Ralf Gerstheimer sehr gut. Nach dem Tod von Georg Spitzer im Jahr 1989 organisierte seine Frau Friedel Spitzer den Betrieb.

Heute wird die Volkssternwarte von Tochter Angelika Spitzer-Klinger und einem Team ehrenamtlicher Mitarbeiter betrieben.

Die Besuchszeiten der Sternwarte

Von Mai bis August bietet das Sternwarten-Team kostenlose Führungen auf Anfrage an. Im September ist die Sternwarte bei klarem Himmel jeden Samstagabend ab 21 Uhr geöffnet, von Oktober bis März ab 20 Uhr und im April ab 21 Uhr.

Kontakt: Angelika Spitzer-Klinger, Telefon: 05607-7712.

Von Meike Schilling

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