Blinzeln mit den kranken Uhus

Fuldabrück. Kein Wunder, dass Raymund Brunner aus Fuldabrück Uhus so mag. „Schauen Sie sich diese Augen an“, sagt er und strahlt. Seit Jahren arbeitet der Dörnhagener bei der EGE, der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen, mit. Er pflegt kranke und geschwächte Tiere, um sie dann später wieder in die Natur zu entlassen.

„Diese beiden Uhuweibchen hier können aber nicht mehr zurück“, berichtet er an der großen Voliere mitten in der Söhre, die er mit Erlaubnis des Regierungspräsidiums Kassel errichtet hat. „Sie sind beide leider nicht mehr flugfähig“, bedauert er.

Pflege kranker Uhus in Dörnhagen

Bis nach Hannover in die Tierklinik sei er gefahren, damit den Tieren geholfen werde. „Ein Weibchen stammt vom Hirzstein, auch das andere wurde südlich von Kassel verletzt gefunden. Uhus verfangen sich leicht im Stacheldraht“, erläutert der 65-Jährige. Ihre Röhrenknochen brechen sehr leicht und wachsen dann oftmals schief wieder zusammen.

„Da kann man nichts mehr machen, wir müssen sie einschläfern oder in menschliche Betreuung geben“, hieß es in der Tierklinik. Nach Meinung der Experten hätten die Vögel den operativen Eingriff zum Richten der Flügel nicht überstanden. Raymund Brunner entschied sich daher für das betreute Wohnen seiner Schützlinge. Einmal am Tag macht er sich mit seinem Hund auf den Weg, um den Eulen Futter zu bringen.

„Meine Aufgabe ist es auch, vier Wochen alte Jungtiere im Regierungsbezirk für die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen zu beringen. Ich betreue ungefähr 20 Standorte“, berichtet er. Der Bestand soll ohne menschlichen Eingriff erhalten bleiben und wird deshalb nur überwacht.

Da Uhus Felsenbrüter sind, muss der pensionierte Sozialpädagoge beim Klettern manchmal von Helfern gegen Absturz gesichert werden. „Uhus haben zwei bis drei Junge. Die Nestlinge sehen in ihrem Flaum noch wie kleine Kobolde aus“, meint er.

Ein Blick hat genügt

Doch zurück zu den Augen: Wanda und Strix, die zwar noch fauchen und mit dem Schnabel klappern, wenn Raymund Brunner die Voliere öffnet, lassen sich inzwischen durchaus streicheln, wenn er sich ihnen vorsichtig nähert. „Ihre nadelspitzen Krallen sind nicht zu unterschätzen“, betont er. „Dagegen schützt auch die dickste Jacke nicht.“

Nach einem einzigen Blick in die bernsteinfarbenen Augen der Uhudamen stellte sich die Frage des Einschläferns für Raymund Brunner nie wieder. Die Kommunikation mit seinen gefiederten Schützlingen funktioniert ebenfalls über die Augen. Beim Anblinzeln - besonders, wenn Raymund Brunner ein Auge zukneift - bekommt er stets eine geblinzelte Antwort.

STICHWORT

Der Uhu ist die größte Eulenart

Der Uhu (auf Lateinisch: Bubo bubo) ist die größte Eulenart. Er kann bis zu 70 Zentimeter groß werden und eine Spannweite von bis zu 1,80 Metern erreichen. Beim Balzgesang macht das Männchen Laute, die wie „buhoo“ klingen, beim Weibchen klingt es eher wie „uhju“.

Dank einer 1991 gestarteten Wiedereinbürgerungsaktion der EGE gibt es in Deutschland wieder 1500 Paare. Viele Tiere verunglücken jedoch im Straßenverkehr oder an Stromleitungen.

Alle einheimischen Eulenarten zählen nach dem Bundesnaturschutzgesetz zu den streng geschützten Arten. (pbw)

HINTERGRUND

EGE: Hilfe für 13 Eulenarten

Die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE) ist ein 1991 gegründeter gemeinnütziger Verein mit Sitz in Bad Münstereifel. Er setzt sich für den Erhalt der 13 in Europa vorkommenden Eulenarten ein.

Das sind neben dem Uhu die Schleier-, Schnee-, Zwergohr-, Waldohr-, Sumpfohr- und Sperbereule sowie der Bart-, Habichts-, Wald-, Raufuß-, Stein- und der Sperlingskauz. Wissenschaftler und Praktiker arbeiten in dem Verein zusammen.

Kontakt: Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE), Tel. 0 22 57/95 88 66, www.egeeulen.de (mit Uhu-Webcam und Videos). Spenden: Kontonummer: 41 108 501 bei der Postbank Köln, BLZ 370 100 50. (pbw)

Von Bettina Wienecke

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