Attrappe sorgt für Aufregung in Niestetal

Selbstgebauter Blitzer in Vorgarten darf bleiben

+
Blitzer-Attrappe im Vorgarten: Der grüne Kasten soll Autofahrer abschrecken, die auf der Heiligenröder Straße in Niestetal zu schnell unterwegs sind.

Niestetal. In Sandershausen sorgt eine Blitzer-Attrappe in einem privaten Vorgarten für Aufsehen. Im vergangenen Sommer hatte der 51-jährige René Heine seinen selbst gebauten Starenkasten aufgestellt, um Raser abzuschrecken.

„Hier geht es am Wochenende wie auf einer Rennstrecke zu“, klagt er. Abends könne er weder beim Fernsehgucken noch beim Schlafen das Fenster auflassen. „Hier werden Beschleunigungsrennen gefahren“, erzählt Heine weiter.

Der Versicherungsvertreter wohnt an der Heiligenröder Straße in Sandershausen – eine viel befahrene Kreisstraße, die zum Rathaus führt und zur Mehrzweckhalle. Hier darf nur 50 km/h gefahren werden. Besonders abends am Wochenende werde hier aber kräftig aufs Gas getreten. René Heine wollte das nicht länger hinnehmen und nahm die Sache selbst in die Hand.

Auf einer 2,20 Meter langen Stahllanze installierte er einen Kasten aus Sperrholz, als Kameralinse dient eine alte Taschenlampe. Schnell verbreitete sich die Nachricht von der Blitzer-Attrappe. „Ich war das Dorfgespräch. Polizei und Ordnungsamt, alle sind sie aufgelaufen“, lacht Heine. Beanstanden konnten sie allerdings nichts.

Attrappe ohne Funktion

Aus polizeilicher Sicht bestehe rein rechtlich keine Handhabe, sagt Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch auf Nachfrage der HNA. „Mit der Attrappe wird keine Amtshandlung betrieben. Herr Heine nimmt kein Geld ein, und es ist auch kein gefährlicher Eingriff in die Straßenverkehrsordnung festzustellen“, bekräftigt Jungnitsch.

Auch das Ordnungsamt in Niestetal sieht keinen Grund, den Blitzer zu entfernen. „Solange nichts blitzt und kein Ton zu hören ist, gilt die Attrappe nur als ein Gegenstand im Garten“, sagt Gemeindesprecher Dennis Bachmann. Der Blitzer darf also bleiben.

Falls aber ein Auto aufgrund der Attrappe bremst und ein anderes auffährt, könne es sein, dass die Attrappe mit in die Ursachenprüfung einbezogen werde. Ob man Heine dann aber wirklich zur Verantwortung ziehen kann, bleibe fraglich, so Bachmann.

„Ich bleibe hartnäckig“

Nicht alle Einwohner von Niestetal fanden die Idee von René Heine gut. Einige wollten sogar Anzeigen erstatten. „Damit kamen sie aber nicht durch“, erzählt Heine. Dafür wurde sein Blitzer bereits viermal zerstört. Das letzte Mal an Silvester. Der Fuß der Attrappe ist einbetoniert, die Täter hätten aber so lange daran gerüttelt, bis alles umfiel. Auch der Blitzerkasten aus Sperrholz wurde kaputt geschlagen.

René Heine lässt sich davon nicht einschüchtern. Auch nicht von der Tatsache, dass sich durch die Attrappe nicht wirklich etwas verbessert hat. „Ich bleibe hartnäckig“, sagt er. Auch in Zukunft wird der Blitzer, der nicht blitzt, in seinem Vorgarten stehen.

Von Nina Thöne

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.