Prozess um gefährliche Körperverletzung

Blutiges Ende eines Saufgelages: Zeugen im Prozess wenig mitteilsam

Kassel/Baunatal. Der blutende junge Mann, den die Polizei früh am 21. Juli 2010 am Mattenberg aufgriff, war „durch den Wind“ und „alkoholisiert“.So berichtete es einer der Beamten als Zeuge vor dem Landgericht Kassel.

Was die Polizisten aus dem damals 19-Jährigen herausbrachten, klang nach einer Orgie wüster Gewalt. Mit der Glasplatte eines Couchtischs, mit Tischbeinen und einem Duschkopf sei er geschlagen worden, habe der junge Mann damals gesagt, sagt der Polizist. Er habe berichtet, er habe sich auch ausziehen müssen, man habe ihm Vergewaltigung angedroht. Er sei mehrfach ohnmächtig geworden, während er attackiert wurde – von zwei Männern.

Auf der Anklagebank des Landgerichts aber sitzt nur einer: Ein 26-Jähriger aus Baunatal, der nach eigenen Angaben bereits 2010 gelegentlich Psychiatrie-Patient war und deshalb auch Medikamente nahm. „Ich kann’s bis jetzt kaum fassen“, sagte er dem Gericht über das, was ihm vorgeworfen wird.

Zu jener Nacht und jenem Morgen habe er nur sehr wenige Bilder im Kopf und überwiegend ein Blackout: Mit einigen jungen Männern habe er in einer Wohnung am Mattenberg gefeiert. „Wodka, Jägermeister, Whisky, Bier – eigentlich alles“ sei da getrunken worden. Einer habe ihm fortwährend nachgegossen.

Was sonst passierte, habe er am Telefon erfahren, als er schon wieder zuhause war. „Du hast meine ganze Wohnung zerlegt“, habe der Bekannte beklagt, bei dem man sich getroffen hatte.

Zum Gerichtstermin erschien dieser Wohnungsinhaber nun nicht. Der Geschädigte ebenso wenig. Richter Jürgen Stanoschek schickte die Polizei los. Doch auch die konnte diese Zeugen auf die Schnelle nicht herbeischaffen.

Zwei andere waren da – aber nicht sehr auskunftsfreudig. Nur mühsam bekam das Gericht zu hören, dass es bei jenem Trinkgelage Ärger um die Freundin eines der Zecher gegeben haben soll. Sie soll einige Zeit zuvor mit dem malträtierten 19-Jährigen fremd gegangen sein.

Der Mann, der dadurch betrogen wurde, wies eine Beteiligung an den Attacken von sich. Der Angeklagte habe den Wortwechsel über die Frau missverstanden und auf seine eigene Partnerin bezogen, berichtete er. Er, der Zeuge, habe sich dann noch zwischen den Baunataler und den Geschädigten gestellt und eine Flasche auf den Kopf bekommen. Das Gericht bekam eine Narbe gezeigt.

Ein zweiter Mitzecher, der sich zunächst an so gar nichts erinnern wollte, wurde vom Richter mehrfach angeherrscht. Ob der Zeuge Angst habe, wollte der Mann in der Robe schließlich wissen. Antwort: „Nee.“

Fragen der Angst, beschäftigen offenbar auch den psychiatrischen Gutachter. „Kann es sein, dass Sie sich - warum auch immer – als Alleintäter zur Verfügung stellen?“ will er vom Angeklagten wissen. Der sagt: „Ich muss für meinen Mist gerade stehen.“

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