Erdgasgewinnung: Organisator Manfred Cepek zur Ausstellung über Fracking im Espenauer Rathaus

„Bohrtürme sind überall möglich“

Wollen aufklären: Manfred Cepek (Immenhausen, links) und Lydia Machill (Espenau) von der Bürgerinitiative „Fracking freies Hessen” zeigen, wo gebohrt werden könnte. Foto: C. Hartung

Espenau. Der Bohrturm steht nur wenige Meter vom eigenen Haus entfernt. Unterirdisch werden Gesteinsschichten aufgesprengt – auch unter der Küche, in der man gerade zu Abend isst. Währenddessen dringen giftige Chemikalien ins Grundwasser ein. Diese Vorstellung ist für die meisten Menschen ein undenkbares Horrorszenario. Mit einer Ausstellung in der Gemeindeverwaltung will Manfred Cepek aus Immenhausen im Rahmen der Bürgerinitiative „Fracking freies Hessen“ Klarheit schaffen.

„Man liest immer nur über Fracking. Aber die Theorie bringt den Menschen die Problematik nicht nahe genug“, erläuterte Cepek jetzt während der Ausstellungseröffnung. Deshalb hat er ein Schaubild erstellt, auf dem der nördliche Landkreis Kassel abgebildet ist – schwarze Pinnnadeln symbolisieren Bohrtürme. „Sie könnten überall stehen. Das sollen die Menschen wissen“, sagte Cepek. Auf rund 40 Plakaten mit Bildern und Texten, die an den Wänden im Erdgeschoss und im ersten Stock hängen, wird unter anderem über chemische Bestandteile des Vorgangs aufgeklärt sowie über Risiken des Verfahrens zur Erdgasgewinnung. „Die Schau passt gerade jetzt sehr gut, da Fracking auch wieder ein Thema in der nächsten Gemeindevertretersitzung ist“, sagte Bürgermeister Michael Wielert (SPD). Sollte es in Hessen zu Fracking kommen, dann sei die nordhessische Region „definitiv sehr konkret von diesem Szenario betroffen“, weiß er und beteuerte, dass die Gemeinde alles tue, um das umstrittene Verfahren zu verhindern. Auf ein weiteres brisantes Thema weist die Ausstellung hin: So berge das geplante Freihandelsabkommen der EU mit den USA auch die Gefahr, dass durch Investitionsschutzabkommen sogar ein bundesweites Frackingverbot umgangen werden könne.

Ausländische Unternehmen könnten durch diese Abkommen Deutschland auf Schadensersatz verklagen, wenn der freie Handel durch Gesetze eingeschränkt werde. „Ein Schiedsgericht mit drei Richtern entscheidet dort. Da es sich um riesige Summen handelt, gibt der Staat dann lieber nach“, meint Cepek. Die Ausstellung der Bürgerinitiative „Fracking freies Hessen“ ist noch bis Mitte Januar in der Gemeindeverwaltung zu sehen. (phc)

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