Experten auf Bombensuche im Baugebiet Am Eichberg 

Brisanter Fund: Diese Stabbrandbombe entdeckten die Kampfmittelräumer in zweieinhalb Metern Tiefe.  

Niestetal. Die Sprengmeister haben genau Buch geführt: 5903-mal haben die Männer bislang im künftigen Baugebiet Am Eichberg am südlichen Rand des Niestetaler Ortsteils Heiligenrode verdächtige Stellen im Boden markiert.

Der Grund für die aufwendige Aktion: Das Gelände unweit der Wilhelm-Leuschner-Schule liegt in einem Gebiet, auf das im Zweiten Weltkrieg viele Bomben fielen.

Auf der Anhöhe östlich von Kassel befand sich eine Flugabwehrstellung. Daher ist es erforderlich, dass die bis zu 90 Baugrundstücke, die heute noch ein ganz normales Feld sind, auf Bomben-Blindgänger und andere Hinterlassenschaften des Krieges untersucht werden.

Die Stäbchen - gegenwärtig stecken mehrere Dutzend in der Erde - kennzeichnen Stellen, die die Sprengstoffexperten als Anomalien bezeichnen. Dort haben Metalldetektoren Veränderungen des Erdmagnetfelds gemeldet.

Störkörper im Boden

Diese Veränderungen werden durch metallische Gegenstände - von den Experten Störkörper genannt - verursacht. Um zu erfahren, was genau im Boden liegt, muss jeder der mit einem Stäbchen gekennzeichneten Punkte genau untersucht werden.

Die große Zahl der Stäbchen zeigt, mit welchem Aufwand eine Kampfmittelräumung verbunden ist. Und sie verdeutlicht, dass es sich bei den Funden in den seltensten Fällen um große Blindgänger handelt, die auf spektakuläre Weise entschärft werden.

Fahrradteile und Bratpfannen

Das auf die Bergung von Kampfmitteln spezialisierte Unternehmen Schollenberger aus Celle untersucht seit etwa zwei Monaten das künftige Baugelände Am Eichberg. Dabei haben Sprengmeister Otto Prössel und seine Kollegen bisher so einiges gefunden: Fahrradteile und Bratpfannen spürte der Detektor auf, selbst eine Schreibmaschine zählte zu den eher kuriosen Funden. Doch auch Altlasten aus dem Krieg waren dabei: Minensplitter etwa und Zünder von amerikanischen Sprenggranaten.

Außerdem befinden sich laut Prössel in dem Gebiet bis zu 24 Bombentrichter. Das hat die Auswertung alter Luftbilder ergeben. Bei zweien dieser Bombentrichter müsse man vorsichtig sein, sagt der Sprengmeister. Sie werden gegenwärtig genau untersucht. Auch wenn die Beseitigung von Kampfmitteln für die Mitarbeiter der Firma Schollenberger längst zum Alltag geworden ist, „muss man sich darüber im Klaren sein, dass man nicht nach Kartoffeln gräbt“, sagt Prössel.

Großes Kopfzerbrechen bereitet ihm möglicherweise vorhandene Flakmunition. Sie ist mit Zeitzündern versehen und reagiert daher sehr sensibel. Werde solche Munition gefunden, müsse sie an Ort und Stelle sofort gesprengt werden.

Trotz dieser möglichen Gefahren hatten die Experten Am Eichberg insgesamt mit mehr Altlasten aus dem Krieg gerechnet. Ein Luftbild, das kurz nach dem Zweiten Weltkrieg aufgenommen wurde, zeigt eine sehr hohe Zahl von Bombentreffern in diesem Bereich.

Bürger standen vor dem Nichts

Ein Beispiel für die Zerstörungskraft der alliierten Bomber ist der Luftangriff vom 3. Oktober 1943 auf Kassel und Sandershausen. Es war ein Sonntag, die Menschen feierten das Erntedankfest, als um 20.45 Uhr die Sirenen zu heulen begannen. Das Ausmaß der Zerstörung im heutigen Niestetal war gewaltig. Menschen verloren ihr Leben, Häuser brannten nieder, viele Überlebende standen vor dem Nichts, etliche verließen ihre Heimatorte Heiligenrode und Sandershausen.

Nach dem Krieg kehrten viele Einheimische zurück und begannen mit dem Wiederaufbau. Zuletzt waren während der Arbeiten für das Gewerbegebiet am Sandershäuser Berg mehrere Bomben entdeckt und entschärft worden.

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