Tierschützer fordern Rücksicht auf Haubentaucher

Boote eine Gefahr für Vogelbrut an der Fulda?

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Ausfahrt: Die Motorboot-Saison hat begonnen. Bei schönem Wetter zieht es die Eigentümer mit ihren Fahrzeugen auf die Fulda. Je nach Bootstyp und Geschwindigkeit sind unterschiedlich hohe Wellen die Folge.

Kassel/Fuldatal. Es ist Brut-Zeit auch bei den Wasservögeln an der Fulda. Und die kann mit Gefahren für den Nachwuchs zum Beispiel der Haubentaucher verbunden sein, die ihre Nester auf dem Abschnitt zwischen Kassel und der Staustufe Wahnhausen gebaut haben.

Dies meint Walter Behrend aus Immenhausen, der seit 35 Jahren Mitglied in der Vogelschutzgruppe des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) Hofgeismar ist und die Tiere an der Fulda häufig aus der Distanz beobachtet. Haubentaucher brüteten in der Regel in Uferbereichen stiller Gewässer. Dort sei es dann auch kein Problem, dass die Schwimmnester und damit auch das Gelege nur knapp über der Wasseroberfläche liegen. Bei Bootsverkehr auf der Fulda, speziell wenn schneller gefahren werde, könne der Tiernachwuchs aber gefährdet sein, meint der 75-Jährige.

Hintergrund:
Im Tauchgang
auf Fisch-Jagd

Der Haubentaucher ist in Mitteleuropa in gewässerreichen Gebieten bis in die Mittelgebirge recht häufig. Die Vögel sind 46 bis 51 Zentimeter lang mit einer Spannweite von bis zu 73 Zentimetern. Haubentaucher sind tagaktiv, fressen hauptsächlich kleine Fische, die sie tauchend erjagen. Ihre Brutperiode beginnt Ende April, bei günstigen Wetterbedingungen auch schon im März. Die Tiere behaupten während dieser Zeit ein Nest- und Nahrungsrevier.

Nach den Beobachtungen des Seniors dürften es drei Paare sein, die an der Fulda zwischen Kassel und Wahnhausen brüten. Denn eigentlich sei die Fulda für „diese schönen, farbenprächtigen Tauchvögel“ im Bereich Kragenhof „ein ideales Biotop“. „Von 99 Prozent der Bootsfahrer fühlt sich die Vogelwelt an der Fulda nicht gestört“, meint Dr. Hans Friedrich, Vizekommodore (2. Vorsitzender) des Yacht Clubs Kassel. Und Wasservögel gebe es viele Richtung Gut Kragenhof. Selbst im Hafen, der Heimat des Clubs „mit reichlich Bootsbetrieb“, fühlten sich Haubentaucher und ein Schwanenpaar wohl.

Von den kleinen Schilfinseln, auf denen Haubentaucher ihre Nester haben, hielten die Bootsfahrer des Clubs Abstand, „wir fahren nicht am Rand“, betont Friedrich. In diesen flachen Bereichen seien eher Kanuten unterwegs. „Wir sind alle tierlieb“, betont Marcus Daniel, Chef der Sportschiffer in Niestetal. Auf der Fulda gebe es ein Miteinander von Mensch und Tier. „Ich glaube nicht, dass Bootsfahrer etwas kaputt fahren, auch nicht die Nester von Haubentauchern.“ Mancher Wasservogel brüte sogar auf Booten an der Niestetaler Marina. Die ließe man solange in Ruhe.

Auf dem Gelege: Dieser Haubentaucher brütet derzeit an der Fulda zwischen Kassel und Wahnhausen.

Welche Welle ein Boot erzeuge, sei auch eine Frage des Bootstyps und hänge nicht zwangsläufig vom gefahrenen Tempo ab. Überhaupt seien die Vögel „in der Regel schlauer, als viele denken. Auch auf Flüssen mit Frachtverkehr überleben die Tiere“, meint Marcus Daniel.

Von Michael Schräer

Das sagt die Wasserschutzpolizei:

Die Saison sei noch jung, vor Ostern hätten die Clubs die letzten Boote zu Wasser gelassen, sagt Polizeioberkommissar Ralph Herbold von der Wasserschutzpolizei. Dass Wasservögel, zum Beispiel brütende Haubentaucher, zu Schaden gekommen seien, darüber sei nichts bekannt. Um die 200 Motorboote seien im Bereich Kassel angemeldet.

Für diese gelten Geschwindigkeitsbegrenzungen von 18 km/h talwärts, also mit der Strömung, und 12 km/h gegen die Strömung. Schneller darf auf einem gekennzeichneten Bereich von einem Kilometer oberhalb von Spiekershausen, der Wasserski-Strecke, gefahren werden. Allerdings nur zu festgelegten Zeiten von Juni bis Oktober.

Generell sei die Fulda als Wasserstraße ein öffentlicher Verkehrsraum. In dem bewege sich „jeder Bootsführer in eigener Verantwortung“, betont Herbold. (mic)

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