Branche tagte in Kassel: Wind bläst Windmüllern ins Gesicht

Ausbau in Gefahr: Zurzeit werden in Nordhessen viele Windräder gebaut. Doch die Branche befürchtet Gegenwind beim Ausbau durch neue gesetzliche Vorgaben. Foto: Schindler

Kreis Kassel. Beim 4. hessischen Windbranchentag diskutierten am Freitag 160 Fachleute aus Wirtschaft und Politik an der Uni Kassel über die Probleme bei der Umsetzung der Energiewende. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie kommt der Ausbau der erneuerbaren Energien in Hessen voran? 

Deutlich zu langsam, das ist die übereinstimmende Meinung in der Branche, aber auch der SPD-Opposition und von Teilen der Grünen und CDU in Regierungsverantwortung. Das gesteckte Ziel der Politik lautet: Bis zum Jahr 2050 sollen 100 Prozent der Energie in Hessen durch Wind, Sonne, Biogas, Wasser und andere regenerative Energieträger erzeugt werden. Davon ist man noch weit entfernt. 2010 lag der Anteil bei 7,8 Prozent, 2012 bei 12,7 Prozent und 2014 bei 14,4 Prozent.

Was sind die Gründe für den schleppenden Ausbau? 

Große Hemmnisse sieht die Windbranche im neuen EEG-Gesetz von 2014, das die Vergütung stark absenkt. Außerdem kritisiert man die restriktive Planung der Behörden bei der Aufstellung der Regionalpläne, in denen die Windvorrangflächen verzeichnet sind. In der Kritik ist auch ein Leitfaden von 2012, der eigentlich den Windkraftausbau beschleunigen sollte, von den Behörden aber zu restriktiv angewendet werde. Zum Beispiel würden wegen befürchteter Probleme beim Naturschutz schon in der Regionalplanung gute Standorte vorsorglich verworfen. Besser wäre es, so die Forderung, die Naturschutzabwägung im nachfolgenden Genehmigungsverfahren vorzunehmen.

Was ist die Befürchtung bei den Ausschreibungen? 

Mit den Ausschreibungen sollen die günstigsten Anbieter und Standorte gefunden werden, die dann den Zuschlag erhalten. Doch bundesweit gesehen liegen die besten Windstandorte in Norddeutschland und an der Küste. Hessen würde mit seinen mittelstarken bis schwachen Standorten leer ausgehen, obwohl man mit heutiger Technik auch hier gute Erträge sichern könne, meint die Branche. Der Strom könne in Norddeutschland aber nicht verbraucht werden, also werden vermehrt Überlandleitungen benötigt, um ihn nach Süden zu transportieren. Außerdem gibt es technische Probleme bei zu großer Konzentration in einer Region. Bei einem Sturmtief entstehen dort fürs Netz gefährliche Überkapazitäten.

Wie ist die Perspektive für die mittelständischen Unternehmen und die Energiegenossenschaften in Hessen?

Ihnen bläst der Wind ins Gesicht, denn bei den Ausschreibungen werden sie den Kürzeren ziehen. Der Ausbau in Hessen könne komplett zum Erliegen kommen, befürchtet der Bundesverband Windenergie (BWE) in Hessen. Die Branche fordert, den Strom dort zu produzieren, wo er gebraucht wird.

Wie verhält sich die Landesregierung? 

Dort sieht man die Probleme. Sie sollen bei einem Energiegipfel im November diskutiert werden. Um die Akzeptanz zu steigern, sollen die Mittel für Moderation aufgestockt werden. Eine interministerielle Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der Überarbeitung des Leitfadens für die Behörden.

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