Von Branchenkrise voll erwischt: 1000 Jobs bei SMA auf der Kippe?

Niestetal/Kassel. Der Solartechnik-Hersteller SMA wird von der Krise in der Solarbranche voll erwischt. Der Umsatz im ersten Quartal dieses Jahres ist so stark eingebrochen, dass über massiven Personalabbau nachgedacht wird.

Konkrete Zahlen werden vom Unternehmen noch nicht genannt. Dem Vernehmen nach könnten 1000 Beschäftigte ihre Jobs verlieren. Weltweit arbeiten bei SMA zurzeit 5500 Menschen.

Bei einer Versammlung wurden die Mitarbeiter jetzt über die schwierige Lage informiert. Schon im März ging Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon von einem „bestenfalls ausgeglichenen Ergebnis“ im Jahr 2013 aus. Ein Verlust könne nicht ausgeschlossen werden, sagte er.

Ob der Umsatz tatsächlich um die Hälfte eingebrochen sein könnte, wie unter Mitarbeitern spekuliert wird, sagt SMA mit Blick auf die am 23. Mai in Kassel geplante Aktionärs-Hauptversammlung nicht. Es handele sich um einen „massiven Umsatzrückgang“, sagte SMA-Sprecherin Anja Jasper am Mittwoch, nannte aber keine Zahlen.

Das gilt auch für den ins Auge gefassten Personalabbau. Ob befristete Verträge eventuell nicht verlängert werden oder das freiwillige Abfindungsprogramm fortgesetzt wird, das Mitarbeitern eine finanzielle Abfindung bietet, wenn sie sich für einen Abschied von SMA entscheiden, wird demnächst verhandelt. Das Unternehmen werde alles tun, um mit neuen Produkten und weiterer Produktivitätssteigerung die Folgen des Nachfragerückgangs im Markt zu verringern, sagte Anja Jasper.

Oliver Dietzel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall, sagte auf Anfrage lediglich, zwischen Unternehmensleitung, Gewerkschaft und Betriebsrat seien Gespräche über Vorschläge zur Kostensenkung aufgenommen worden. Aus Gewerkschaftskreisen heißt es, ein Stellenabbau könne angesichts der Krise in der Branche notwendig sein, um nicht das gesamte Unternehmen SMA zu gefährden.

Hintergrund: 4500 Mitarbeiter in Deutschland

Der Solartechnik-Hersteller SMA hat derzeit weltweit 5500 Mitarbeiter, davon 4500 in Deutschland; weitaus die meisten arbeiten in den Standorten in Niestetal und Kassel.

2012 verzeichnete das Unternehmen mit 1,5 Milliarden Euro bereits einen sinkenden Umsatz (2010 waren es noch fast zwei Milliarden Euro). Verdient wurden 2012 nur 75 Millionen Euro, 2010 waren es noch 365 Millionen Euro gewesen. 2013 dürften sich die Lage beim Weltmarktführer, der 25 Prozent der weltweiten Wechselrichter-Nachfrage bedient, weiter verschlechtern.

Wechselrichter wandeln den Gleichstrom aus Fotovoltaik-Anlagen in netztauglichen Wechselstrom um. (ach/hai)

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