Oberkaufungen: Gemeinde will Grundstück kaufen – Wohnanlage für Behinderte mit Tegut-Laden geplant

Brauplatz: Fleischerei soll weichen

Große Pläne: Das Wohnhaus und die Gebäude der Fleischerei Reichel (im Hintergrund rechts) sollen abgerissen werden. An ihrer Stelle will die Baunataler Diakonie Kassel eine Wohnanlage für Behinderte bauen. Foto: Ketteritzsch

Kaufungen. Seit Jahren fristet der Brauplatz im alten Dorfkern von Oberkaufungen ein Schattendasein. Die 320 Quadrameter große Schotterfläche, die die Gemeinde vor Jahrzehnten an den Fleischermeister Gerhard Reichel verkauft hat, dient vor allem als Abstellplatz für Autos.

Das soll sich nach dem Willen von Bürgermeister Arnim Roß (SPD) ändern. Er will den Brauplatz in den nächsten Jahren umgestalten - mit erheblichen Folgen für das Areal. Die auf einer Machbarkeitsstudie des Kasseler Planungsbüros ANP basierende Idee sieht vor, dass die Gemeinde die privaten Teile des Platzes zurückkauft und daraus zusammen mit der der Gemeinde bereits gehörenden Fläche (740 Quadratmeter) einen sogenannten Altdorfplatz macht. Doch damit nicht genug: Auch das Wohnhaus Reichels und die dahinter liegenden Gebäude der Fleischerei will die Gemeinde erwerben und dann abreißen.

Auf den frei werdenden gut 900 Quadratmetern soll eine Wohnanlage für Menschen mit Behinderungen entstehen. Betrieben werden soll diese von der Baunataler Diakonie Kassel (BDKS). „Dort sucht man seit geraumer Zeit nach einem Standort im Kasseler Osten“, sagte Roß im Gespräch mit der HNA. Das Gebäude, bis zu dessen Fertigstellung vier bis fünf Jahre vergehen werden, wird im Erdgeschoss Platz für ein aus der Sicht des Bürgermeisters wichtiges Projekt zur Belebung des Ortszentrums bieten. Dort werde die BDKS mit der Firma Tegut einen Dorfladen betreiben, in dem auch behinderte Menschen aus der Wohnanlage Arbeit finden sollen, kündigte Roß an.

Wie berichtet, war der Bürgermeister vor Kurzem mit seinem Plan für ein Tegut-Lädchen in dem früheren Schlecker-Markt an der Leipziger Straße gescheitert. Eigentümer Klaus Kellner hatte sich kurzfristig für einen anderen Mieter entschieden. Die Gemeinde Kaufungen wird der BDKS das Baugrundstück zu günstigen Konditionen zur Verfügung stellen: entweder über einen Erbbaupachtvertrag oder durch einen „Verkauf zu einem moderaten Preis“ (Roß). Die Kosten für den Kauf des Grundstücks von Reichel, den für 2013 geplanten Abriss der Gebäude und die Gestaltung des neuen Dorfplatzes beziffert der Bürgermeister mit rund 490 000 Euro. Im Rathaus rechnet man damit, dass Bund und Land Hessen davon knapp 300 000 Euro übernehmen.

Nach Auskunft von Roß hat das Planungsbüro auch private Investoren auf die Möglichkeit hingewiesen, am Brauplatz Wohnraum zu schaffen. Diese hätten aber kein Interesse gezeigt. Ob die Pläne des Bürgermeisters Wirklichkeit werden, darüber entscheiden die Gemeindevertreter am 8. November. Roß: „Ich hoffe auf eine Mehrheit.“ Archivfoto: Fischer

Von Peter Ketteritzsch

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