Gebürtige Schlesier Otto und Ruth Pohl feiern heute Diamantene Hochzeit

Brautkleid selbst genäht

Sprache verbindet: Die gebürtigen Niederschlesier Ruth und Otto Pohl sind dankbar, dass sie das Schicksal vor über 60 Jahren zusammen geführt hat. Heute feiern die Eheleute aus Obervellmar ihre Diamantene Hochzeit. Foto: Brandau

Vellmar. Es war in 1950 an einem kalten Februartag im zerbombten Kassel. Otto Pohl unternahm mit seiner Mutter einen Spaziergang in Wilhelmshöhe. Vor einem Schaufenster, vor dem bereits eine junge Frau stand, blieben die beiden stehen und betrachteten die Auslagen. Man unterhielt sich und Ruth, so hieß die junge Frau, hörte den schlesischen Dialekt. Sie sprach die beiden an und stellte fest, dass sie ebenfalls aus Schlesien stammten und auch durch die Wirren des Krieges nach Nordhessen verschlagen worden waren.

„Dass diese Begegnung einmal mein ganzes Leben verändern würde, hätte ich damals nicht gedacht“, erzählt der 84-Jährige, der heute, nach 60 Ehejahren, mit seiner Frau Ruth Diamantene Hochzeit feiert. „Meine Mutter unterhielt sich lange mit der Frau aus dem Eulengebirge über die ehemalige Heimat im Osten und ich, ein wenig gelangweilt, brachte derweil einen Brief zum nahe gelegenen Briefkasten.

Weil man sich so viel zu erzählen hatte, traf man sich mit der jungen Schlesierin noch mehrmals und allmählich entdeckte der 23-jährige, der im Riesengebirge geboren war, seine Zuneigung. Man verabredete sich und nach kurzer Zeit war Ruth seine große Liebe. Noch im gleichen Jahr wurde Verlobung gefeiert und am 22. September 1951 fand die Hochzeit in Heinebach bei Melsungen statt.

Dort wohnten die Eltern der Braut, die auch die Feier ausrichteten. „Das Brautkleid hat meine Mutter selbst genäht“, erinnert sich Ruth. Geschenke habe es so gut wie keine gegeben, aber dass Kaninchenbraten zur Feier des Tages gereicht wurde, daran erinnert sich die heute 81-jährige noch gut.

Die erste gemeinsame Wohnung fand das Paar in der Kasseler Heinrich-Schütz-Allee. Sie bestand aus einem Zimmer und einer Wohnküche ohne Wasseranschluss. 1953 wurde ein Sohn geboren und zwei Jahre später folgte der Umzug in den Stadtteil Fasanhof. Dort kamen zwei Töchter zur Welt.

1966 erwarben die Eheleute ein Baugrundstück in Obervellmar und zogen ein Jahr später in ihr neues Haus, das größtenteils in Eigenleistung errichtet wurde. „Hier in Vellmar fühlen wir uns wohl“, sagt Otto Pohl. „Unsere Heimat wird immer Schlesien sein, doch zuhause sind wir in Vellmar“, meint er lächelnd. Und hier wollen die Eheleute am Samstag auch mit Kindern, Enkelkindern, Urenkeln und Freunden ihre Diamantene Hochzeit feiern.

Von Werner Brandau

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