Brillantring und Cartier-Uhr als Beute

Mann soll befreundete Familie bestohlen haben - Urteil

Lohfelden. Nach Stunden des Schweigens formulierte es der Angeklagte drastisch: „Bevor ich irgendwas mit Diebstahl zu tun hätte, würde ich mir lieber eigenhändig die Hände abschneiden“, sagte der 22-Jährige.

Das Kasseler Amtsgericht aber sah es als erwiesen an, dass er einen Ring im Wert von 12.500 Euro und eine wertvolle Uhr geklaut hat - im Haus einer befreundeten Familie in Lohfelden.

Zum Schuldspruch wegen Diebstahls hinzu kam ein weiterer wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung. Doch weil der 22-Jährige bislang nicht vorbestraft war, kam er für beides zusammen mit einer Geldstrafe davon. 170 Tagessätze zu je fünf Euro verhängte Richter Henning Leyhe. Zudem wurde dem 22-Jährigen der Führerschein entzogen.

Probleme hat der Angeklagte offenbar schon länger. Nach eigenem Bekunden ist er spielsüchtig und wird sich deshalb in Kürze in stationäre Behandlung begeben. Doch ob seine Sucht etwas mit dem Verschwinden des Schmucks zu tun haben könnte, dazu sagte er kein Wort. Und sein Verteidiger plädierte auf Freispruch von den Diebstahl-Vorwürfen.

Die stammen aus dem Februar 2012. Damals hatte der junge Mann, der früher in Lohfelden lebte, ein befreundetes Mädchen in der Nachbarschaft besucht. Dort soll er, entgegen der Bitte, das Gäste-WC zu benutzen, das Badezimmer der Familie aufgesucht haben – seltsam lang, wie Mutter und Tochter fanden. Als er kurz darauf das Haus verließ, kontrollierte die Mutter ihr Schmuck-Kistchen im Bad. Ein Goldring mit einem Brillanten und eine Uhr der Marke Cartier habe gefehlt, sagte sie als Zeugin.

Den jungen Mann stellten sie und ihr Partner noch am selben Abend zur Rede. Der 22-Jährige bestritt, die Schmuckstücke entwendet zu haben. Bei ihm gefunden wurden sie auch nicht. Einige Tage später lag die Uhr vor der Haustür. Ein Anruf mit verstellter Stimme habe sie darüber informiert, sagte die Besitzerin dem Gericht.

Der Fund wurde der Polizei übergeben. Die Uhr selbst wurde offenbar nicht näher untersucht. An den Taschentüchern aber, in die sie verpackt war, wurden DNA-Spuren des Angeklagten nachgewiesen. Überlegungen, diese Tücher könnten aufgesammelt und benutzt worden sein, um den Angeklagten zu belasten, wies Richter Leyhe zurück: „Klar waren Sie das!“, sagte er dem 22-Jährigen. Mit der Uhr-Rückgabe habe er noch „die Kurve gekriegt“: „Diesen Weg dürfen Sie nicht weitergehen – sonst rücken Sie ein.“

Die Verteidigung hatte noch einen ehemaligen Nachhilfelehrer des Lohfeldener Mädchens als Zeugen hören wollen. Der könnte Zugang zum Bad gehabt haben und hatte sich aus Sicht der Mutter an einem Tag auch recht seltsam verhalten.

Von Katja Schmidt

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