SPD-Politiker verzichtete wegen Krankheit auf Verteidigung

Bring: Vorwürfe absurd

Von Krankheit gezeichnet: Helmut Bring beim Verlesen seiner persönlichen Erklärung vor dem Parlament. Foto: Stier

Kaufungen. In einer persönlichen Erklärung vor dem Kaufunger Parlament hat der frühere Fraktionschef und Bürgermeisterkandidat der SPD, Helmut Bring, am Montag Stellung zu seiner Verurteilung wegen der Veruntreuung von Mandantengeld bezogen.

In über 25 Jahren habe er bis zur freiwilligen Rückgabe der Ämter als Notar und Rechtsanwalt etliche Millionen Euro seiner Mandanten verwaltet und ordentlich ausgezahlt, sagte der 55-Jährige. Dies sei von Mitarbeitern und Richtern des Landgerichtes Kassel ohne jegliche Beanstandung überprüft worden. Bring wörtlich: „Allein der Gedanke, ich hätte aus eigenem Interesse einen Betrag in Höhe von circa 2000 Euro zum eigenen Vorteil unterschlagen, ist nicht nur absurd, er ist schlicht und einfach lächerlich.“

Den Strafbefehl des Eschweger Amtsgerichtes habe er ausschließlich aus persönlichen Gründen akzeptiert. Wegen einer „lebensbedrohlichen Erkrankung“, deren Bekämpfung all seine Kraft erfordere, habe er sich nicht mit der gebotenen Intensität mit „solchen Lächerlichkeiten“ befassen können, erklärte Bring.

Der von Krankheit und Gewichtsverlust sichtlich gezeichnete Kaufunger kritisierte die öffentliche Berichterstattung und schilderte die beiden Fälle aus seiner Sicht. Der erste: Bis Februar dieses Jahres sei er überzeugt gewesen, dass 1000 Euro Mandantengeld bereits 2009 ordnungsgemäß weitergeleitet wurden. Leider könne er den Vorgang nicht mehr überprüfen, weil ihm die Akten seiner insolvent gegangenen Kanzlei nicht mehr zur Verfügung stünden. Gleichwohl habe er versäumt, die zeitgerechte Weiterleitung des Geldes zu überprüfen, räumte Bring ein. Dafür bitte er die Geschädigten um Entschuldigung.

Beim zweiten Fall habe es Zwangsvollstreckungen mehrerer Kleinbeträge gegeben. Die habe er – wie im anwaltlichen Bereich üblich – gesammelt und nach Abzug der Kosten als Gesamtbetrag an den Mandanten weiterleiten wollen. Dies spare Aufwand und Kosten.

Staatsanwaltschaft und Richter hätten jedoch die „absurde Auffassung“ vertreten, jeder Betrag, gleich in welcher Höhe, sei unverzüglich weiterzuleiten. Bring: „Über fehlende Sachkenntnis bei den entsprechenden Beteiligten möchte ich mich nicht weiter äußern.“

Seine Funktionen und Ämter hat Bring niedergelegt, nachdem in der HNA über die Vorfälle berichtet worden war. Sein Mandat als Gemeindevertreter aber wolle er weiter ausüben, soweit es seine Gesundheit zulasse, erklärte der SPD-Politiker. Das Verhältnis zu Fraktion und Partei ist aber offensichtlich belastet. Für jeden Begriff der deutschen Sprache gebe es ein Wort für das Gegenteil. „Nur den Gegenbegriff zu Parteifreund habe ich noch nicht gefunden. Sollte man daraus etwa schließen, dass derjenige der Parteifreunde hat, keine Feinde mehr braucht?“, fragte Bring. Reaktionen aus dem Parlament oder eine Aussprache gab es nicht. (tom)

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