Geschichts- und Museumsverein Fuldatal erinnert an das ehemalige Bauwerk an dem Haufe-Bach

Nur Brücke blieb von Schockemühle

Die Schockemühle: Auf einer alten Postkarte von 1937 sind die Gebäude der ehemaligen Mühle an der Haufe im Schocketal mit der Brückenzufahrt (links) zu sehen. Repro: Hobein

Fuldatal. Erinnerungen an die frühere Schockemühle, die einst im Schocketal an der Haufe kurz vor deren Einmündung in die Fulda stand, werden vom Geschichts- und Museumsverein Fuldatal (GuM) geweckt. Im Schaufenster „Ein-Blick Geschichte“ in der Simmershäuser Kasseler Straße wird eine Bilderserie gezeigt, die die Stationen der Mühle durch die vergangenen Jahrhunderte aufzeigt. GuM-Vorsitzender Volker Luckhard hat mit seinem ehrenamtlichen Team aus dem Archiv des Vereins 16 Bilder mit Begleittexten zusammengestellt und damit den Werdegang der Mühle dokumentiert.

Heute wachsen dort Bäume und Sträucher. Von der einstigen Zufahrt von der heutigen Bundesstraße 3 über die Haufe zeugen nur noch die Brücke mit den Brückenpfeilern und das -geländer. Darüber führt jetzt der Rad- und Fußweg von Simmershausen zum Fuldaradweg. Einige verfallene Schuppen erinnern in diesem Bereich noch an den Standort der ehemaligen Mühle.

Sie wird erstmals im Jahre 1582 im Kasseler Salbuch als Mühle mit Mahlgang unter dem Dorf Symmershausen genannt. In Ihringshäuser Kirchenrechnungen, in dessen Gemarkung die Mühle lag, wird 1650 ein Wilhelm Schockenmäller als Müller genannt. Er dürfte auch der Namensgeber für die Schockemühle gewesen sein. 1746 wird in der Ihringshäuser Dorfbeschreibung ausgeführt, dass „die Schockemühle ungefähr eine Viertelstunde vom Dorf liegt“.

Im Jahre 1890 verkauft der Kasseler Unternehmer Thöne die Mühle an den Simmershäuser Landwirt Jakob Jütte. Als ab 1897 die „Kuranstalt im Schocketal“ von Dr. Gottlieb Schaumlöffel errichtet wird, geht die Mühle in dessen Eigentum über.

Die Schockemühle wird 1913 von Eleonore Lemp erworben, als von ihr die „Deutsche Frauenschule am Reinhardswald“ gegründet wird, heute als Reinhardswaldschule im Volksmund bekannt. Bereits im Jahre 1928 wird das eiserne Mühlrad verschrottet. Wann die Mühle ihren eigentlichen Betrieb eingestellt hat, ist nicht bekannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Schockemühle noch bis in die 1970er-Jahre von Familien bewohnt. Danach verfällt sie und wird nach und nach zur Ruine. Neue Hoffnung gibt es im Jahre 1976, als der Dompteur Siegfried Wiesner auf dem Gelände rund um die Schockemühle einen kleinen Tierpark errichtet. Planungen sahen vor, die ehemalige Mühle zu einem Wohnhaus mit Restaurant wieder aufzubauen. Erwartungen, den Tierpark als Fremdenverkehrsattraktion zu nutzen und mit einem Restaurantbetrieb zu ergänzen, zerschlugen sich in den Folgejahren. Der Tierpark wird 1986 behördlich geschlossen und die Reste der Schockemühle werden abgerissen.

Von Klaus Hobein

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