26-Jähriger soll mit Komplizen 22-jährigen Lohfeldener mit Schlagstock verdroschen haben

Prozessauftakt: Brutale Attacke auf Nebenbuhler?

Lohfelden/Kassel. „Neeiiin!“ Ein lang gezogener Schrei, ausgestoßen in nackter Panik: So etwa muss man sich wohl vorstellen, was eine 55-jährige Lohfeldenerin als Letztes von ihrem Sohn hörte, bevor sie ihn blutüberströmt auf der Wiese vor ihrem Haus fand.

„Ich war wie gelähmt“, erzählt die Frau am Dienstag im Kasseler Amtsgericht. Doch dann sei sie losgerannt und habe, nun ihrerseits lauthals schreiend, die Männer in die Flucht geschlagen, die ihren heute 22 Jahre alten Sohn so zugerichtet hatten. Einer der beiden mutmaßlichen Täter – ein 26-Jähriger aus Kassel – muss sich jetzt vor Gericht verantworten. Gefährliche Körperverletzung legt ihm die Anklage zur Last: Zusammen mit einem unbekannten Komplizen soll er dem Opfer an jenem Februarabend 2012 aufgelauert haben, vermummt mit Sturmhauben und bewaffnet mit einem Teleskopschlagstock.

Das Auto, mit dem die Angreifer flüchteten und dessen Kennzeichen sich die Mutter des schwer verletzten jungen Mannes gemerkt hat, gehörte ihm. Außerdem will ihm der Angegriffene im Gerangel die Maske vom Gesicht gerissen und ihn erkannt haben. Doch der 26-Jährige schweigt zu den Vorwürfen. Entspannt sitzt er auf der Anklagebank, zurückgelehnt, ein leises Lächeln auf den Lippen.

In der Darstellung des Opfers klingt der Überfall wie eine Racheaktion, die sich seit Langem anbahnte. Seit der Lohfeldener dem Kasseler die Freundin ausgespannt hatte, war er von ihm – so schildert er es jedenfalls – bereits mehrfach verfolgt worden. Hatte sich bedroht gefühlt, aber auch selbst einmal zugeschlagen. „Ich hab einfach Angst gehabt“, sagt der 22-Jährige. „Angst um mein Leben.“

Am Tattag aber gab es für derlei Hahnenkämpfe eigentlich lange keinen Grund mehr. Denn da hatte der Lohfeldener seit Wochen schon wieder eine andere Freundin.

Um aufzuklären, was an jenem Februarabend geschehen ist, hat sich das Gericht zwei Verhandlungstage Zeit genommen. Am 30. Januar wird der Prozess fortgesetzt. Dabei geht es auch um einen zweiten, ganz anderen Tatvorwurf: Im April 2013 soll der Angeklagte als Minicar-Fahrer in Espenau-Hohenkirchen einen Crash verursacht haben, bei dem sein Fahrgast verletzt wurde. Zu schnell und ohne seine eigentlich nötige Sehhilfe zu tragen, sei er in einen Kreisverkehr gefahren und mit seinem Wagen auf den in der Mitte platzierten Felsen geprallt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm deshalb Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässige Körperverletzung vor. (jft)

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