Mauerbienen hatten Nachwuchs in Fensterhohlräumen deponiert

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Waben hinter dem Fensterrahmen: Manfred Hanika zeigt die Stelle, wo der Handwerker die Bienen entdeckte.

Baunatal. Da staunte Manfred Hanika nicht schlecht: Als er einen Schreiner die Holzfenster seines Wohnzimmers ausbauen ließ, um dafür solche aus Kunststoff einzusetzen, entdeckte der Handwerker in den Hohlräumen des Holzprofils lehmige, wabenartige Gebilde mit linsenförmigen Larven.

Der Schreiner habe vermutet, dass das ein Nest von Marienkäfern sei, erzählt der Altenritter. Auf Dauer könnten solche verborgenen Hausbewohner sogar die Beschläge der Fenster beschädigen.

Die Sorge ist wohl unbegründet: Hans-Joachim Flügel, Biologe, Insektenexperte und Leiter des Bienenmuseums Knüllwald, identifizierte auf Bitten der HNA anhand der von Hanika gemachten Fotos die Gebilde sofort als Lehmzellen der Roten Mauerbienen, einer geschützten Art.

Diese Wildbienen bauen laut Flügel im Herbst solche Zellen in wettergeschützten Hohlräumen als eine Art Brutkasten für ihren Nachwuchs. Das sei völlig unschädlich für Fenster oder Fassaden. Die Puppen der künftigen Bienen würden mit Nektar versorgt und schlüpften im folgenden Frühjahr.

Keine Überlebenschance

Sorgen, einen Umweltfrevel begangen zu haben, müsse sich der Altenritter aber nicht machen. Bereits mit dem Freilegen der Waben werde deren steriles Milieu zerstört und die verpuppten Babybienen hätten dadurch praktisch keine Überlebenschance mehr, sagte Flügel.

Doch kommt es tatsächlich vor, dass ungebetene Gäste in der Hausfassade Schäden anrichten können? Diese Frage löst bei Gerd Walter, Mitgeschäftsführer der Kasseler Firma Walter Fenster + Türen ein Schmunzeln aus. So etwas habe er nur einmal bei Fenstern erlebt, für die sehr schlechtes, weiches Holz verwendet wurde. Da könnten sich Schädlinge hineinfressen.

Bei modernen Metall- oder Kunststofffenstern sei das nicht der Fall. Insekten könnten dort höchstens die Entwässerungsöffnungen verstopfen. Da helfe schon, diese Röhren öfter durchzuspülen. Ansonsten finde man in alten Hausfassaden ab und an nichttierisches Fremdmaterial. „Zur Zeit der Wende haben wir öfter alte Zeitungen in der Fassade gefunden, mit denen die Fenster gedämmt wurden“, sagte Walter.

Auch bei anderen Handwerkern scheinen Insekten in Fassaden kein Problem zu sein. Die Handwerkskammer Kassel hat laut deren Sprecherin Barbara Scholz noch nichts von solche einem Problem gehört. Ähnlich äußert sich Frank Baum von der Schreinerinnung. Engerlinge und andere Schädlinge könnten Alu-Fenstern nichts anhaben, sagte Harald Stiegel von der Metallbauinnung.

Diskussion im Internet

Immerhin wird das Thema im Internet diskutiert. Dort hat man asiatische Marienkäfer, die in Ritzen von Eigenheimen überwinterten, im Visier. Auf der sozialen Plattform „Das Grüne Netzwerk“ ist sogar von einer Invasion die Rede. 

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