Kinder überfielen Seniorin: Als das „Bubigesicht“ mit der Pistole drohte

Tatort: Auf dem Zwischenweg am Friedhof in Obervellmar wurde eine 71-jährige Frau aus Harleshausen am Freitagnachmittag von jungen Tätern überfallen. Foto:  Malmus

Vellmar/Kassel. Eine 71-jährige Frau aus dem Kasseler Stadtteil Harleshausen ist am Freitag von drei Jugendlichen in Vellmar überfallen worden. Die Frau, die Einkäufe im Herkules-Markt erledigt hatte, schob ihr Rad einen Verbindungsweg zwischen Roter Breite und Hans-Neusel-Straße hoch.

„Hier geht es bergauf“, sagt die Frau. Dabei sah sie auch die Kinder, drei größere und drei kleinere. „Ich dachte noch, was hecken die wohl aus?“, sagt die Frau. Das erfuhr sie wenige Augenblicke später. Plötzlich standen drei der jungen Täter vor ihr, warfen ihr Rad um und verlangten Geld. Einer hatte eine Waffe in der Hand. „Da kriegt man sofort Herzklopfen, auch wenn die noch Bubigesichter hatten“, sagt die 71-Jährige. „Man hat ja schon davon gehört, dass Zehnjährige ihre Großmutter wegen zehn Euro umgebracht haben.“

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Trotz des Herzklopfens und der Angst sei sie nicht davon ausgegangen, dass die Pistole, die einer in der Hand hatte, echt sei. Alledrings habe sie befürchtet, dass die jungen Täter sie schubsen und sie sich etwas brechen könne. Die Frau zückte deshalb ihr Portemonnaie und gab jedem der Täter fünf Euro. Als einer dann die komplette Geldbörse verlangte, wurde es der 71-Jährigen zu bunt. Sie schlug die Täter mit den Worten „Haut ab, ihr Blöden“ in die Flucht.

Die Frau ist froh, dass die jungen Räuber von der Polizei erwischt worden sind. „Eigentlich tun sie mir Leid“, sagt das Opfer. Es sei schlimm, dass so junge Leute schon auf die schiefe Bahn geraten seien. „Hoffentlich kann ihnen geholfen werden, dass sie noch einen anderen Weg einschlagen können“, sagt die 71-Jährige.

Nach Angaben von Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch befinden sich unter den jungen Tatverdächtigen vier Kandidaten für BASU 21 (siehe Hintergrund). Mehrere Polizeibeamte kümmern sich bei diesem Projekt um jugendliche Straftäter zwischen 13 und 19, die besonders auffällig geworden sind.

Die fünf 13-jährigen Kinder, die an den beiden Überfällen beteiligt gewesen sein sollen, müssen allerdings kein Strafverfahren befürchten. Sie sind noch strafunmündig. Anders sieht es bei den beiden 14-Jährigen aus, die bereits strafmündig sind. Das Fachkommissariat 35 der Kasseler Kripo ermittelt in beiden Fällen wegen schweren Raubes.

Aber auch das Jugendamt des Landkreises Kassel wird sich die Kinder und ihre Familien genauer anschauen. Die Polizei hat die Behörde eingeschaltet. Am Montag konnte Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises Kassel, aber noch nichts Näheres dazu sagen.

Hintergrund: Positive Prognose ist Voraussetzung

BASU21 steht für „Besonders auffällige Straftäter unter 21 Jahren“. Das Projekt läuft seit März 2010 am Polizeipräsidium Nordhessen. Vier Polizeibeamte kümmern sich um derzeit 36 Jugendliche und junge Erwachsene, die schon mehrfach wegen Straftaten auffällig geworden sind. Bei BASU 21 werden Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren aus Stadt und Landkreis Kassel betreut, die innerhalb eines Jahres fünf Straftaten begangen haben, davon mindestens eine Gewalttat. Voraussetzung zur Teilnahme ist außerdem eine positive Prognose, also die Annahme, dass man den jungen Leuten noch helfen kann.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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