Bewährungsstrafe

Lohfelden: Buchhalterin veruntreute 56.000 Euro

Lohfelden. Die Staatsanwältin hätte die Angeklagte gerne hinter Gittern gesehen, doch das Gericht nahm es sportlich. „Das ist die gelbe Karte“, sagte Richter Henning Leyhe, als er die 55-Jährige aus Lohfelden am Dienstag zu einer 20-monatigen Bewährungsstrafe verurteilte.

„Das heißt: Das nächste Mal gehen Sie vom Feld und ins Gefängnis.“

Besonders schwere Untreue in 40 Fällen legte das Gericht der bislang nicht vorbestraften Frau zur Last: Als Lohnbuchhalterin einer Spedition im Landkreis hatte sie ihren Arbeitgeber jahrelang immer wieder um erkleckliche Summen gebracht.

In beeindruckender Regelmäßigkeit überwies sie sich zwischen November 2008 und Februar 2012 fast jeden Monat zu Unrecht einen vierstelligen Betrag aufs eigene Konto – insgesamt mehr als 56.000 Euro. „Das war ein Zweiteinkommen, was sie sich hier verschafft haben“, sagte Leyhe. Und die 55-Jährige wusste vor Zerknirschung gar nicht, wohin sie schauen sollte.

„Ich geb’s zu, ich hab’s gemacht und ich bereue das auch“, hatte sie gleich zu Beginn vorbehaltlos erklärt. „Im Nachhinein sage ich mir: Wie blöd kann man eigentlich sein?“

Mehr als 20 Jahre hatte sie schon in dem Unternehmen gearbeitet, galt als loyal und zuverlässig, als sie eines Tages plötzlich mit dem Veruntreuen begann – und nicht mehr aufhörte. Aber warum? Keine Ahnung, beteuerte die Angeklagte. „Ich verstehe das nicht.“ Denn eigentlich sei sie gar nicht so.

Und es habe auch keinen richtigen Grund, keinen Auslöser gegeben. Schulden? Spielsucht? Nein. Nur ein recht bescheidenes Einkommen, das schon seit Jahren nicht mehr angehoben worden war. Ein Arbeitgeber, bei dem sie sich zunehmend unwohl fühlte. Und: Das Wissen, dass ihre Selbstbedienungsstrategie so schnell nicht auffliegen würde. Das reichte.

Sie verbuchte die Zahlungen als Lohn für tatsächliche Mitarbeiter - die aber wegen längerer Erkrankungen kein Geld mehr bekamen.

Das fiel trotz Vier-Augen-Prinzips niemandem auf. Und für den Jahresabschluss, bei dem die Buchungen hätten überprüft werden können, war sie wiederum selbst zuständig. „Eine Kontrolle“, sagte Richter Leyhe, „fand nicht statt.“

Auf die Ungereimtheiten stieß man erst, als die Frau entlassen worden war – wegen einer Lappalie: Sie hatte ein der Firma auferlegtes Bußgeld gezahlt, obwohl sie das nicht durfte. Der Arbeitgeber hatte darin einen Vertrauensbruch gesehen und gekündigt. Von dem viel größeren Vertrauensbruch der Untreue ahnte er da noch gar nichts.

Von Joachim F. Tornau

Rubriklistenbild: © dpa

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