Rathaus will Einzelfälle prüfen

Streckennetz in Vellmar: Anlieger klagen über viel Flickwerk

Viele Risse im Asphalt: Eine holprige Angelegenheit ist dieses Teilstück der Silberkaute.

Vellmar. Buckelpiste in der Silberkaute, Flickwerk in der Hopfenberg-, Fleckenteppich in der Nordstraße - wie gut oder wie schlecht sind Vellmars Straßen? Viele Leserhinweise gab es nach unserem Aufruf zu diesem Thema.

Zuvor hatten wir über den desolaten Streckenabschnitt der Straße zwischen Heiligenrode und Nieste berichtet. Dass viele beschädigte Straßen nicht sofort komplett erneuert werden können, räumte Bürgermeister Dirk Stochla (SPD) gegenüber unserer Zeitung ein: „Wir haben schon eine Menge Holz an Strecke.“ Genau sind das in Vellmar 178 Straßen mit zusammen rund 90 Kilometern Länge. Davon fallen knapp 73 Kilometer in die Zuständigkeit der Stadt Vellmar, 8,3 Kilometer auf das Land Hessen, 4,8 Kilometer auf den Bund und knapp 4,6 Kilometer auf den Kreis.

Da die finanziellen Mittel begrenzt sind - im Schnitt 200 000 Euro stehen jährlich im Vellmarer Haushalt für die Pflege von Straßen, Wegen und Plätzen zur Verfügung, 375 000 Euro sind es inklusive der Kosten für Brückenunterhaltung -, gibt es als Richtschnur eine klare Vorgabe bei der Sanierung: Wenn eine Straße nicht mehr verkehrssicher ist, das heißt eine Gefahr für die Nutzer wird, werde gehandelt - und dies zügig, erläutert Ralf Ernstreiter vom Fachbereich Stadtentwicklung und Umwelt. Aktuelles Beispiel sei die Hamburger Straße, deren Schäden nach einem Ortstermin sofort beseitigt worden seien.

Nicht zu vermeiden sei es, dass Straßen nach mehreren Reparaturen „optisch nicht schön aussehen, aber technisch in Ordnung sind“, erläuterte der Bürgermeister. Dazu komme, das fast alle innerstädtischen Straßen als Tempo-30-Zonen ausgewiesen und damit sowieso schon verkehrsberuhigt seien.

Muss eine sogenannte grundhafte Erneuerung der Straße her - das heißt Neubau mit komplettem Unterbau und Kanalarbeiten - kostet das viel Geld (siehe Hintergrund). Und bei der grundhaften Erneuerung einer städtischen Straße kommt noch eines hinzu: Auch die Anlieger sind dann finanziell gefordert. Daher habe man laut Stochla nach Rücksprache mit den Anwohnern vor Jahren zum Beispiel auf die komplette Erneuerung des Teilstücks Silberkaute erst einmal verzichtet.

Geprüft werden soll jetzt nach Auskunft der Stadtverwaltung bei unseren Leserhinweisen zum Beispiel die Nordstraße im Bereich Tennishalle/Brücke über die B 7, wo der Fahrbahnrand um fünf Zentimeter abgesackt sein soll. Teile der Nordstraße sollen im Zuge der Modernisierung der Bushaltestellen sowieso mit erneuert werden. Unverändert wird wohl vorerst die Hopfenbergstraße bleiben.

Hintergrund: Das kostet Straßenbau

Straßenbau kostet Geld. Dabei reicht die Spanne als „grober Richtwert pro Quadratmeter von zehn bis 120 Euro“, erläutert Horst Sinemus von Hessen Mobil, das für alle Landesstraßen zuständig ist. Einige Beispiele:

• Das Aufbringen einer etwa vier Zentimeter neuen Asphaltschicht kostet rund zehn Euro (immer pro Quadratmeter).

• Wenn mit der Decke auch die darunterliegende Schicht erneuert wird, liegt man bei 20 Euro.

• Wird der komplette Asphaltbereich erneuert, kostet das 65 Euro.

• Je tiefer man dann in die Erde geht, desto teurer wird es. Ein kompletter Vollausbau inklusive Frostschutz- und Kanalbauarbeiten kommt am Ende auf rund 120 Euro pro Quadratmeter. (swe)

Von Stefan Wewetzer

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.