Parlament lehnte Grünen-Antrag ab – Verweis auf Angebot der Stadtbibliothek

Box zum Büchertausch passé

Baunatal. Eine öffentlich zugängliche Medientauschbox wird es in Baunatal nicht geben. Im Stadtparlament lehnte die Mehrheit am Montagabend den Wunsch der Grünen ab. Idee war, dass Bürger beispielsweise gelesene Bücher in der städtischen Box ablegen und sich dort neuen Lesestoff nehmen.

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Bücher aus der Telefonzelle

Die Diskussion eskalierte bei der Frage, wie man denn eine Medienbox vor Schundliteratur, Nazi-Schriften und weiterem extremen Gedankengut sowie vor Verwüstung und Brandstiftung schützen könne. Da schlugen die Wellen hoch, weil Sozial- und Christdemokraten einerseits von vielen Problemen in anderen Kommunen berichteten und eine Belebung der Innenstadt durch eine solche Box verneinten. Die Grünen andererseits führten diverse positive Beispiele ins Feld.

Hier gibt es die Box: Büchertausch in einer alten Telefonzelle in Erbsen im Landkreis Göttingen. Foto: dpa

Die Idee sei ja nicht schlecht, so hatte Nicole Nicola für die SPD die Diskussion eröffnet. Doch habe man in Baunatal eine Bücherei, die gerade ausgebaut und modernisiert werde. Die habe zwar feste Öffnungszeiten, gewährleiste aber dafür Kontrolle.

Mathias Finis (CDU) fand den Büchertausch an sich ebenfalls sympathisch – aber nur in einem Raum mit Überwachung. Bürgermeister Manfred Schaub (SPD) nannte neben Verwüstungen als weitere Gefahr, dass Sekten wie Scientology ihre Schriften oder auch DVDs in der Zelle oder Box ablegen. Letztlich hafte die Stadt als Aufsteller der Box, ergänzte CDU-Fraktionschef Sebastian Stüssel.

Büchertausch in kleinem Maße ist bereits in der Baunataler Stadtbücherei möglich. Bürgermeister Schaub stellte nun in Aussicht, dass man dieses Angebot ausweiten könne.

Grünen-Fraktionschef Edmund Borschel („es geht ums Lesen“) entgegnete, dass man eine Tag und Nacht zugängliche Box doch zumindest testen solle. Seine Partei wolle einen Zugang zu Büchern ohne Hürden, kein Zusatzangebot der Bibliothek. Zudem gebe es bereits Paten, die ehrenamtlich kontrollieren wollten.

Von Ingrid Jünemann

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