Sechs Rettungsassistenten wurden bei der Fliegerstaffel in Ihringshausen für Dienst im Hubschrauber geschult

Büffeln vor dem Einsatz mit Christoph 7

Fuldatal. Der Traum vom Fliegen hat sie angetrieben. Am Donnerstag wurde er wahr: Praxistest bei der Bundespolizeifliegerstaffel Fuldatal für sechs Rettungsassistenten aus dem Bundesgebiet. In Ihringshausen hatten sie zuvor acht Tage lang Theorie gebüffelt.

Video: So werden Patienten im Christoph 7 versorgt

Am Donnerstag gingen sie in die Luft, saß einer nach dem anderen neben dem Piloten im Cockpit. Künftig werden die sechs in Hamburg, Frankfurt, Kempten und Seblin in Rettungshubschraubern zum Einsatz kommen.

Normalerweise gehört zu einer Hubschrauberbesatzung neben dem Piloten auch ein Flugtechniker, sagt Thomas Nagler, Leiter der Fliegerstaffel in Fuldatal. Anders im Rettungshubschrauber, „da ist der Pilot allein“. Flugtechnisch gesehen, denn Notarzt und Rettungsassistenten sind mit an Bord.

Letztere müssten daher zusätzlich geschult werden, um den Piloten zu unterstützen und bei fliegerischen Notfällen zu helfen. Denn der Pilot fliege auf Sicht und habe immer beide Hände an Steuergeräten. Einen Autopiloten gibt es nicht. Nagler: „Der Rettungsassistent muss alle Schalter kennen und wissen, was los ist, wenn ein Warnlicht aufleuchtet.“

Diese Einweisung hat jetzt Thomas Storm erhalten. Der 44-Jährige von der Berufsfeuerwehr Frankfurt am Main musste „eine Menge büffeln“. Luftrecht, Navigation, Meteorologie, Hubschraubertechnik, Cockpiteinweisung und mehr. Es habe einen Personalbedarf für Christoph 2 in Frankfurt gegeben, „da habe ich die Chance genutzt“. Wie die anderen fünf war er daraufhin von seiner Dienststelle für die Schulung in Fuldatal angemeldet worden. Die ist für alle Luftretter in Hubschraubern von Bundespolizei, ADAC und Deutscher Rettungsflugwacht (DRF) gleich.

Video: In der Luft mit Christoph 7

Im Hubschrauber zu fliegen ist für Storm absolutes Neuland. Anderweitige Erfahrungen? Keine „außer Drachen steigen lassen, Urlaubflügen und einem Tandem-Fallschirmsprung“.

Ähnlich sieht es bei seinem Arbeitskollegen aus Frankfurt, Hans-Jürgen Loch, aus. Der saß bei einem Praktikum im Vorfeld drei Tage in einem Hubschrauber. „Ich hatte schon das Gefühl, dass der Pilot mich testen wollte. Aber wer Achterbahn verträgt, dem macht auch das nichts aus“, meint der 43-Jährige. Für ihn stand danach fest, die Kombination Rettungsdienst und Fliegerei ist sein Ding.

Dies gilt auch für Sebastian Zerm aus Hamburg. Der Hauptbootsmann der Bundesmarine arbeitete zuvor in der Notaufnahme, dann im Rettungszentrum in der Hansestadt. „Es war immer mein Ziel, auf dem Hubschrauber zu arbeiten“, sagt er. Den 27-Jährigen reizt die doppelte Anforderung: „In der Luft den Piloten unterstützen und an der Einsatzstelle den Notarzt.“

Gestern ging es allerdings nur um die fliegerische Komponente eines Rettungseinsatzes. „Bei super Flugwetter“, wie Hans-Jürgen Loch zufrieden feststellte. Strahlender Sonnenschein und nur acht Knoten Windgeschwindigkeit. Und wie ein erfahrener Hase setzte er hinzu: „Vom Fliegen her ein Kindergeburtstag.“

Hintergrund

Luf trettung in Deutschland

Die Bundesrepublik ist flächendeckend mit Stützpunkten der Luftrettung versorgt. Insgesamt gibt es 76, die alle den Namen Christoph tragen. Wie Christoph 7 in Kassel, 44 in Göttingen, 37 in Nordhausen und 13 in Bielefeld. Jeder Rettungshubschrauber ist für einen Radius von 60 km zuständig und in maximal 15 Minuten am Einsatzort.

Für die Luftrettung sind der ADAC, die DRF Luftrettung und die Bundespolizei zuständig, die die Hubschrauber samt Piloten stellen. Bei dem medizinischen Personal kommen weitere Organisationen als Partner ins Spiel.

Die Bundespolizei ist für zwölf Luftrettungszentren zuständig. Die eingesetzten Rettungsassistenten werden alle bei der Fliegerstaffel Fuldatal geschult. (mic)

Von Michael Schräer

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