Passivhaussiedlung Lohfelden: Mobilitätsplanung umstritten – Gemeinde prüft Einsprüche

Bürger gegen Sammelgarage

Lohfelden. „Zukunftsfähig bauen, umweltgerecht mobil sein und gesund leben“ – ausgesprochen plakativ wirbt die Gemeinde Lohfelden um Bauherren für die Passivhaussiedlung, die zwischen Holzweg und Eschweger Straße entstehen soll.

Die Grobplanung für den dritten und letzten Bauabschnitt im Neubaugebiet Lindenberg wurde jetzt im Rahmen einer Bürgerbeteiligung im Bürgerhaus vorgestellt. Der Passivhausstandard der rund 60 vorgesehenen Einzel-, Doppel- und Reihenhäuser und das Wohnen im Grünen stießen bei den 250 Besuchern auf grundsätzliche Zustimmung. Nicht einverstanden sind die künftigen Bauherren allerdings mit Teilen des Mobilitätskonzeptes, das Sammelgaragen an den Zufahrtstraßen und damit den Verzicht auf das Auto am Haus vorsieht.

„So wird es nicht funktionieren“, sagte Monika Fehr. Die Lohfeldenerin will in der Planung eine Bevormundung, vor allem für Familien mit Kindern, erkannt haben.

Auch Bauinteressent Thorsten Bauer will auf das Auto am Haus nicht verzichten. Die Planung gehe an der Praxis vorbei, sagte der ehemalige KSV-Spieler. Christoph Bezikofer brachte die Kritik schließlich auf den Punkt: „Wenn das so bleibt, kommen wir nicht nach Lohfelden“, sagte der Niestetaler.

Christoph Manske hingegen begrüßte den „mutigen Weg“. Er habe kein Problem, das Auto ein wenig weiter entfernt in eine Garage zu stellen, wenn sein Sohn auf der Straße spielen kann, sagte der noch im Baugebiet Herchenbach wohnende Bürger.

Verkehrsplaner Michael Volpert verteidigte sein Konzept. Es orientiere sich an den Klimaschutzzielen der Gemeinde, da müssten die Bauherren auch Nachteile in Kauf nehmen. Das sieht Rolf Schweitzer genauso: „Jeder sollte seine persönliche Mobilität hinterfragen“, sagte der Leiter des Bauamtes.

Zuvor hatten Städteplanerin Sonja Rühling und weitere Fachplaner das städtebauliche Konzept und die Detailplanung für das Baugebiet vorgestellt. Das Land werde den Planungsprozess für die Passivhaussiedlung als eines von drei Modellvorhaben begleiten und fördern, sagte Arne Kessler vom Büro Hessen-Energie. Der Rahmenplan sieht vor, dass das Gebiet per Straße an den Holzweg und an die Eschweger Straße angeschlossen wird.

Der Energieexperte Armin Raatz will trotz der Kritik von CDU-Gemeindevertreter Rudi Paul („kontraproduktiv“) an der dezentralen Wärmeversorgung festhalten. Durch den Passivhausstandard und Photovoltaik auf den Dächern könne die Energieversorgung nur so CO2-neutral gestaltet werden, sagte Armin Raatz.

Auf Zustimmung stießen die Lärmschutzmaßnahmen wie der Erdwall entlang der Eschweger Straße und die vorgesehenen Geschwindigkeitsbeschränkungen. Parlamentschef Uwe Jäger (SPD) zeigte sich von der Reaktion der Besucher auf das Mobilitätskonzept überrascht: „Wir werden keine Beschlüsse gegen die Bürger fassen“, sagte der Vorsitzende der Gemeindevertretung.

Von Hans-Peter Wohlgehagen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.