Das Bürgerforum Elgershausen löst sich als Initiative nach 20 Jahren auf

Parteiunabhängig, spontan, dynamisch, aktiv: Die Eigenschaften, die sich das Bürgerforum Elgershausen auf die Fahne schrieb, kamen nicht bei jedem gut an. Dennoch erzielten Rudi Roy (links) und Gisela Reuter-Koch als harter Kern der Initiative fast 20 Jahre lang zum Teil große Erfolge im Namen einer „nachhaltigen Entwicklung unseres Dorfes“. Achim Stamm (Mitte) vom Kulturverein Schauenrock hat nun das Erbe der Initiative in Form „einiger übrig gebliebener Euros“ übernommen. Fotos: Naumann

Schauenburg. In Elgershausen geht eine Ära zu Ende - das Bürgerforum Elgershausen löst sich nach fast zwei Jahrzehnten auf.

Oft hat sich die locker zusammengewürfelte Gruppe, die weder als Verein organisiert war noch einen Chef hatte, von sich Reden gemacht. Sie organisierte Demos, Unterschriftenaktionen und Info-Abende, rieb sich mit der Politik und der Verwaltung, scheute keine Konflikte und sorgte regelmäßig für kontroverse Diskussionen. Dabei hatte sie immer eines zum Ziel: „Die nachhaltige Entwicklung unseres Dorfes“, sagen heute Rudi Roy und Gisela Reuter-Koch, die bis zuletzt den harten Kern des Bürgerforums Elgershausen bildeten.

„Für uns ein Riesen-Erfolg“

Ihren größten Erfolg feierte die Gruppe, als es zu Beginn der 2000er-Jahre um die Ansiedlung eines großen Logistikzentrums im Süden Elgershausens ging. „Zuerst zeigte W+K Interesse, später zog Gazeley nach“, erinnert sich Roy. Die Stimmung zwischen Befürwortern und Gegnern sei aufgeladen gewesen. „Die Entscheidung brachte dann eine von uns organisierte und hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion am 22. April 2004“, sagt Roy. Fünf Tage später zog sich Gazeley zurück. „Für uns ein Riesen-Erfolg“. Zu diesem Zeitpunkt zählte das Forum rund 40 aktive Mitglieder. „Eine Beteiligung, die wir uns zu Anfang kaum vorgestellt haben“, sagt Reuter-Koch. Los ging alles zu beginn der 1990er-Jahre mit der „Arbeitsgemeinschaft liebenswertes Dorf“. „Wir setzten uns für die Anbindung Elgershausens an den öffentlichen Nahverkehr ein“, sagt Reuter-Koch. „Heute haben wir die Buslinie 52 nach Kassel“.

Erster Zebrastreifen fürs Dorf

Überhaupt sei Verkehrsentwicklung stets ein großes Thema gewesen. Noch gut kann sich Reuter-Koch an eine Demo mit Schülern erinnern, bei der es um die Durchsetzung des ersten Zebrastreifens in Elgershausen auf der Großenritter Straße ging. „Und wir hatten Erfolg“. Daraufhin habe sich „voll Elan“ die Zukunftswerkstatt Lebensraum Straße gegründet.

In der Zeit danach nahm das Bürgerforum immer mehr Themen in Angriff. Ende der 1990er-Jahre rettete sie den einzigen Supermarkt im Ortskern, etablierte einen Wochenmarkt und eröffnete ein Markt-Café. „Das war eine sehr spannende Zeit, weil wir als Gemeinschaft erkannten, dass auch Initiativen jenseits der Politik Gutes für Elgershausen bringen können“, sagt Reuter-Koch. „Für alle war das eine völlig neue Herausforderung und Herangehensweise.“

Wieder Platz für etwas Neues

Nach dem großen Erfolg 2004, als die Ansiedlung eines großen Logistikzentrums verhindert wurde, plätscherten die Aktivitäten des Bürgerforums Elgershausen „so langsam dahin“, sagt Rudi Roy. „Irgendwie sind uns die Themen ausgegangen.“ Auch privat habe sich bei den Mitgliedern einiges getan, so dass sich der Fokus weg vom Dorf hin auf die Familie verschob. Und heute? „Na ja, wir hatten eben unsere Zeit. Jetzt ist wieder Platz für etwas Neues - für neue Leute mit neuen Ideen“, sagt Roy.

Von Boris Naumann

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