Bürgermeister schlägt Supermarkt in Bürgerhaussaal vor

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Infografik Supermarkt

Kaufungen. Nach jahrelangem Stillstand ist am Donnerstagabend wieder Bewegung in die Debatte über den Standort für einen neuen Supermarkt in Oberkaufungen gekommen.

In der Sitzung der Gemeindevertretung hat Bürgermeister Arnim Roß (SPD) dem Parlament auf 64 Seiten nicht nur erstmals eine komplette Gegenüberstellung aller Vor- und Nachteile sowie der Kosten vorgestellt, sondern auch eine dritte, völlig neue Möglichkeit vorgeschlagen: Er bevorzugt den Bau eines Lebensmittelmarktes im heutigen Bürgerhaussaal und die gemeinsame Nutzung der neuen Aula an der Gesamtschule durch IGS, Landkreis und Gemeinde. So sehen die drei Möglichkeiten aus:

1. Variante: Edeka baut auf dem Riffer-Gelände, das Bürgerhaus wird für 2,33 Millionen Euro nach den Plänen der Kaufunger Architekten Amma + Kimpel saniert. Weil hierfür bereits Förderzusagen über 1,26 Millionen Euro vorliegen, wäre dies die preisgünstigste Variante.

2. Variante: Alle Gebäude hinter dem Rathaus werden abgerissen, Investor Uwe Jantz baut dort einen neuen Lebensmittelmarkt. Für die Ersatzbauten müsste Kaufungen bis zu 6,3 Millionen Euro stemmen. Roß dazu: „Diese Variante ist zur Zeit für die Gemeinde nicht finanzierbar, weder bei den Investitionskosten noch bei den jährlichen Folgekosten von bis zu 306 000 Euro.“

3. Variante: Entsprechend einer neuen, vom Bürgerforum entwickelten Variante, würde der heutige Bürgerhaussaal zu einem Lebensmittelmarkt mit einer Verkaufsfläche von 1400 Quadratmetern umgebaut. Die Gemeinde beteiligt sich am Bau der neuen Aula an der IGS, die dafür zusätzliche Komponenten erhalten würde. Dafür und für einige Ersatzlösungen für Bauhof, DRK, Jugendzentrum, Bücherei und Gesellschaftssaal wären Investitionen zwischen 2,9 und 3,6 Millionen Euro erforderlich. Es entstünden Folgekosten von jährlich bis zu 167 000 Euro.

Roß hat gestern eine Fülle von Daten und Fakten auf den Tisch gelegt. Sie sollten, so wünscht er es sich, Grundlage für eine rationale statt emotionale Diskussion sein. Vor einer Entscheidung im Parlament soll es auch eine Bürgerversammlung geben, um der Bevölkerung die Pläne vorzustellen.

Hintergrund: Parlament hat das letzte Wort

Die von Bürgermeister Roß vorgeschlagene dritte Variante ist noch keine Entscheidung. Das letzte Wort darüber, wo der Supermarkt errichtet wird, haben die Gemeindevertreter. Vor der Kommunalwahl am 27. März werden sie sich mit dem Thema allerdings nicht mehr beschäftigen. Erst das neue Parlament, das sich im April konstituiert, wird sich der Supermarkt-Problematik annehmen, die zumindest in Oberkaufungen den Kommunalwahlkampf bestimmt. Im März 2007 hatten die Kaufunger in einem Bürgerentscheid verhindert, dass die Fläche hinter dem Rathaus für 1,25 Millionen Euro an den Discounter Lidl verkauft wird. Damals sprachen sich 60,1 Prozent der Wahlberechtigten gegen die Pläne aus.

Von Thomas Stier und Peter Ketteritzsch

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