Sechs Künstler arbeiten an vier Orten

Landkreis Kassel organisiert wieder Kunstprojekt zur documenta

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Köpfe mit Zahlen: Ein Kunstwerk gestalten wird auch die Engländerin Susy Casillas aus Vellmars Partnerstadt Bewdley. In Vellmar ist sie keine Unbekannte. 

Kreis Kassel. Kunst live zu erleben, den Malern und Bildhauern bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen - das ermöglicht ein Projekt des Landkreises Kassel, das seit 1997 parallel zur documenta in Kassel läuft.

Das European Art Camp (Euarca) lädt dabei Künstler aus Partnerstädten des Kreises und der Kommunen ein, hier über einen begrenzten Zeitraum zu arbeiten. Die zeitliche Nähe zur Weltausstellung ist dabei durchaus gewollt: „Wenn die documenta läuft, kriegen wir Künstler, die sonst kein Interesse hätten“, sagt Kreispressesprecher Harald Kühlborn, der das Kunstprojekt federführend zusammen mit der Künstlerin Heidi Rühlmann betreut. Kooperationspartner ist das „KulturNetz Kassel“.

„Wenn die documenta läuft, kriegen wir Künstler, die sonst kein Interesse hätten.“

Sechs Künstler aus fünf Ländern arbeiten vom 8. bis 21. Juli im Landkreis. Weil dieses Mal auch ein Amerikaner dabei ist, läuft das Projekt in diesem Jahr unter dem Titel „Euarca +“. Was laut Kühlborn ebenfalls ein Novum ist: Die Arbeiten der Künstler stehen aus Anlass des 250. Jahrestages der Schlacht von Wilhelmsthal, die das Ende des Siebenjährigen Krieges einleitete, unter einem Motto.

„Macht und Verantwortung“ heißen die Stichworte, von denen sich die Künstler inspirieren lassen sollen. Ausgewählt wurden als Standorte im Landkreis solche Kommunen, die Berührungspunkte mit dem Siebenjährigen Krieg und der Schlacht von Wilhelmsthal haben - wie die örtliche Nähe zum Beispiel.

Eine „interessante Truppe“ habe man dieses Jahr zusammenbekommen, freut sich der Kreissprecher. In folgenden Orten wird Kunst live geschaffen:

• In Espenau wird der Amerikaner Michael Velliquette aus Wisconsin, dem Partnerkreis des Landkreises, eine drei Meter hohe Skulptur aus bunt bemaltem Pappmaché und Sperrholz gestalten. Wisconsin deswegen, weil auch Nordamerika mit dem French Indian War während des Siebenjährigen Krieges ins Visier der Kolonialmächte England und Frankreich geraten war.

Gegenpol zum Amerikaner ist in Espenau der Bildhauer Erhart Kassian aus Österreich, der schon mit dem SOS-Kinderdorf in Imst, dem Espenau partnerschaftlich verbunden ist, zusammengearbeitet hat. Er schafft eine zweiteilige Steinskulptur mit Metallfiguren für den Kreisel an der Neuen Mitte.

• In Immenhausen wird die Italienerin Ciara Lecca aus der Partnerstadt Modigliana nahe Bologna arbeiten. Sie schafft Kunst aus Tiermaterialien wie Schweineohren oder Pferdehaar, betont aber, dass diese „Materialien“ nur von Tieren kommen, die schon tot sind, also nicht extra für die Kunst geschlachtet werden müssen.

• In Hofgeismar werden die Fotografin Camille Roux und der Konzeptkünstler Sébastian Rémy aus der Partnerstadt Pont-Aven in der Bretagne aktiv werden.

• In Vellmar wird die Malerin Susy Casillas aus der englischen Partnerstadt Bewdley arbeiten, die schon 2010 in der Vellmarer Rathausgalerie ausgestellt hat. England deshalb, weil es zusammen mit Preußen nach der Schlacht von Wilhelmsthal den Siebenjährigen Krieg gewonnen hat.

Live gestaltet werden sollen die Kunstwerke laut Kühlborn immer dort, „wo Betrieb ist“. Im Glasmuseum in Immenhausen zum Beispiel oder im Vellmarer Rathaus.

Von Stefan Wewetzer

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