Verkehrsverbund NVV will Kommunen unter die Arme greifen

Busverkehr: Kosten schießen hoch – Situation wird sich weiter zuspitzen

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Wird teurer: Die Kommunen müssen für den Busverkehr künftig deutlich mehr zahlen. Die Regionalverkehr Kurhessen GmbH, die bislang viele Strecken bediente, wird künftig nicht mehr dabei sein. Das Unternehmen hat sich nicht mehr an den Ausschreibungen beteiligt und wird bis 2016 abgewickelt.

Kreis Kassel. Der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) lässt die Kreise und Kommunen mit der Kostensteigerung im Buslinienverkehr nicht allein. „Wir werden unseren Anteil am Zuschussbedarf erhöhen“, kündigte NVV-Geschäftsführer Wolfgang Dippel gegenüber der HNA an.

Wie hoch der künftige Anteil des NVV am Defizit sein werde, wollte er allerdings nicht sagen, um die Ausschreibung der Buslinien im Herbst nicht zu beeinflussen. Diese Ausschreibungen lassen Schlimmes erwarten: Die Kosten für die Buslinien dürften um über 30 Prozent steigen, die der Anruf-Sammel-Taxis (AST) sogar um mehr als 100 Prozent, weil die Zahl der Anbieter - meist Taxi-Unternehmer - sinke, erläuterte Dippels Kollege Klaus-Peter Güttler. In einer Doppelfunktion als Geschäftsführer des NVV und des Rhein-Main-Verkehrsverbundes RMV arbeitet er derzeit in Kassel. In diesem Jahr mussten die hessischen Verkehrsverbünde 20 Millionen Euro einsparen, ihnen standen nur 101 Millionen Euro von Bund und Land zur Verfügung. Für die beiden kommenden Jahre habe das Land die Kürzungen ausgesetzt, sodass 2013 und 2014 wieder 121 Millionen Euro bereitstehen, erklärten Dippel und Güttler.

Wie es aber ab 2015 weitergeht, ist völlig offen. Schließlich sind dann auch die Bundes- und die Landtagswahl vorüber.

Es muss also weiter gespart werden. Dabei verfolgen NVV, Kreise und Kommunen laut Güttler und Dippel eine dreiteilige Strategie: Es wird geprüft, ob wirklich alle Buslinien erforderlich sind, ob optimiert oder auch gestrichen werden kann. Überflüssige und schlecht genutzte Verbindungen können ganz gekappt werden, Kundenwunsch und Finanzierbarkeit müssen mehr gegeneinander abgewogen werden.

Mittelfristig aber müsse der ganze Busverkehr neu geordnet werden, sagen die beiden Geschäftsführer. Die Idee: Der NVV schafft ein Grundangebot regionaler Buslinien, die Nordhessen vernetzen und die der Verkehrsverbund zu 100 Prozent bezahlt. Die Landkreise und Kommunen übernehmen dann die Kosten für die von ihnen gewünschten Verästelungen des Liniennetzes in Städte und Dörfer. Für Güttler hat dieses System, mit dessen Aufbau schon 2013 begonnen werden soll, viele Vorteile. Es gebe klare Verantwortlichkeiten und Planungssicherheit bei der Finanzierung. Ziel der Neuausrichtung: Das heutige Angebot solle im Kern erhalten bleiben. Gelingen kann das nach Ansicht der beiden Geschäftsführer aber nur, wenn das Land Hessen sich finanziell auch am ÖPNV in der Fläche beteiligt und nicht nur Geld vom Bund und aus dem kommunalen Finanzausgleich dafür bereitstellt. Güttler: „Es darf nicht weiter gekürzt werden und es muss auch originäres Geld für den Personenverkehr bereitgestellt werden.“

Von Thomas Stier

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