Pächterin Michaela Patzke sieht Tiefpunkt überwunden

Fulda-Freizeitzentrum: Campingplatz im Aufwind

Hilft in seiner Freizeit: Michael Patzke unterstützt seine Frau auf dem Campingplatz.

Fuldatal. Wäre nur jedes Jahr documenta. Dann sähe die Situation im Fulda-Freizeitzentrums in Knickhagen deutlich besser aus. Während der Sommermonate 2012, als die Kunstschau in Kassel lief, „waren wir teilweise ausgebucht“, sagt Pächterin Michaela Patzke.

Von Juni bis September registrierte sie auf dem Campingplatz 1700 Übernachtungen. In einem normalen Jahr habe man auf dem idyllisch gelegenen Platz rund 1000 Schlafgäste, die in Zelten, Wohnwagen oder Wohnmobilen Station machten.

Vor vier Jahren hatte Michaela Patzke den Platz samt Kiosk und Gaststätte übernommen. Seitdem arbeitet sie mit Unterstützung von Ehemann Michael und den drei Kindern daran, dass der Platz unter Campern wieder einen guten Namen bekommt. 2009 sei das Ansehen in der Szene ziemlich unten gewesen, sagt die Pächterin.

„Es war klar, dass wir drei bis vier Jahre brauchen, um den Jetzt-Stand zu erreichen“, sagt Michael Patzke, der hauptberuflich als Lagerist bei VW Klein in Ihringshausen arbeitet. Reichtümer könne man mit dem Campingplatz-Betrieb nicht erwerben. „Wir sehen das als Zuverdienst.“ Außerdem sind Patzkes überzeugte Camper. „Es macht uns Spaß“, sagt das Paar.

Auch weil die Gemeinschaft unter den 50 Dauercampern stimmt, wie Horst Künnecke und Hildegard Werner aus Kassel bestätigen. Seit 14 beziehungsweise 30 Jahren verbringen sie ihre Freizeit in Wohnwagen und Vorzelt in Knickhagen.

Insgesamt stagniere die Zahl der Dauercamper, „der begeisterte Nachwuchs fehlt, und das bundesweit“ sagt Michael Patzke. So setzt die Familie auf ihre Gastronomie. „Wir haben uns zu einem Speiserestaurant gemausert.“ Und auf Touristen. Da sei der Campingplatz „eines der wenigen Aushängeschilder in Fuldatal“.

Aber auch bei Campern ändert sich das Reiseverhalten. Wohnmobile nehmen zu. Mit ihnen blieben die Reisenden deutlich kürzer an einem Ort, und diese Touristen seien anspruchsvoller, sagt Michael Patzke.

Daher müsste in die Anlage investiert werden, zum Beispiel in weitere feste Stellplätze. Aber auch in die Heizungsanlage und das Sanitärhaus, „die sind auf einem Stand von 1976“. Patzkes, die bereits in die Küche investierten und kleinere Reparaturen ausführten, würden das übernehmen. „Aber nur, wenn einem die Anlage auch gehört“, sagen sie. Und: „Wir haben Interesse, das Freizeitzentrum von der Gemeinde zu übernehmen.“ 2014 laufen Pachtverträge zwischen Gemeinde und Grundeigentümern aus.

Hintergrund

Campingplatz und Freizeitzentrum

Das Fulda-Freizeitzentrum in Knickhagen wurde im Mai 1976 eingeweiht. Es hat eine Gesamtfläche von 3,2 Hektar (die Größe von vier Fußballfeldern). 11 000 Quadratmeter gehören der Gemeinde samt Wohnhaus mit Gaststätte und Kiosk sowie Sanitärgebäude. Der Campingplatz hat 122 Parzellen, 50 sind mit Dauercampern belegt, 60 sind für Touristen gut nutzbar.

Bis 2002 war die Gemeinde Fuldatal für die Anlage verantwortlich, übernahm sämtliche Kosten und erhielt einen Teil der Einnahmen. Seit 2002 sorgt der Pächter für Betrieb und Unterhaltung, die Gemeinde trägt ein mögliches Defizit.

Seit 1976 schoss die Kommune insgesamt eine Million Euro zu.

Das sagt der Bürgermeister

Die Pachtverträge mit Grundbesitzern seien fristgerecht zu 2014 gekündigt, Gespräche über die Zukunft der Anlage liefen, sagt Bürgermeister Karsten Schreiber. Jetzt sei es an Familie Patzke, über die Flächen mit den Eigentümern zu verhandeln. Gebe es darüber Klarheit, „verhandeln wir über die Immobilie mit dem Ziel, eine wirtschaftliche Grundlage für den Betrieb der Anlage zu schaffen“, sagt Schreiber. Er hoffe, dass der Campingplatz weitergeführt werde.

Info

Internet: www.campingplatz-knickhagen.de

Telefon: 0 56 07/3 40.

Von Michael Schräer

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.
Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.