Fraktion fordert Konzept zur inklusiven Beschulung

CDU: Der Landkreis ist untätig

So sieht Inklusion aus: Unser Bild zeigt die 13-jährige Fenja (links) mit Down-Syndrom während des Unterrichts in einer achten Klasse des Gymnasiums Marienschule im niedersächsischen Hildesheim neben ihrer Mitschülerin Saskia (13). Foto: dpa

Ein Konzept zum gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Kindern fordert die CDU-Fraktion vom Kreistag. Der will liefern, aber nicht zum geforderten Zeitpunkt.

Kreis Kassel. Untätig - das ist der Vorwurf, den die CDU-Fraktion dem Landkreis Kassel macht. Während die Stadt „sehr intensiv“ an einem Konzept zur inklusiven Beschulung arbeite, unternehme die Landkreisverwaltung keine Anstalten, ihre Vorstellung zu diesem Thema zu verdeutlichen. Damit sich das ändert, haben die Christdemokraten den Kreistag aufgefordert, bis Mitte Dezember ein Konzept vorzulegen. Das sei aber nicht zu realisieren, sagt Landkreissprecher Harald Kühlborn auf Anfrage der HNA.

Generell würde natürlich an einem Konzept zur Zukunft der Förderschwerpunkte gearbeitet, „wir sind gerade in der Abstimmung mit dem Staatlichen Schulamt“. Bis Dezember werde jedoch kein Ergebnis zustande kommen, realistischer sei „das Frühjahr“. Sicher sei jedoch, dass „keine der vier Förderschulen im Landkreis schließen muss“, macht Kühlborn klar. Sowohl die Baunsberg-Schule in Baunatal als auch die Brüder-Grimm-Schule und die Käthe-Kollwitz-Schule in Hofgeismar und die Wilhelm-Filchner-Schule in Wolfhagen würden nicht geschlossen werden und weiterhin Schüler aufnehmen können.

Von Seiten der CDU wurde befürchtet, dass einer oder mehrere Standorte schließen müssen: Langfristig werde in Hessen angestrebt, dass nur noch vier Prozent der Schüler eine Förderschule besuchen sollen, bisher sind es im Landkreis und in der Stadt 6,5 Prozent. Durch die Verringerung könne es deshalb passieren, dass es „zur Schließung bisheriger Förderschulen kommt“. Das sei aber nicht der Fall, sagt Kühlborn, es müsse ja gewährleistet sein, dass die Schulen nicht allzu weit vom Wohnort entfernt lägen.

Reduziert werden allerdings die sogenannten Sonderpädagogischen Beratungs- und Förderzentren. Gibt es davon jetzt noch vier, werden es später nur noch zwei sein. „Wo, steht aber noch nicht fest.“ Die dadurch frei werdenden Lehrerstellen wiederum würden nicht verloren gehen, die Kräfte „gehen dann wieder in den Unterricht“. Arbeitslos werde niemand.

Insgesamt gab es im Schuljahr 2013/2014 im Landkreis 21 206 Schüler (ohne Berufsschüler). 998 davon gingen auf Förderschulen, aufgeteilt auf die vier im Landkreis (501), auf die vier Standorte der von der Diakonie getragenen Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Immenhausen mit dem Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung (200) und auf Förderschulen in der Stadt Kassel (297). Damit liege man schon jetzt bei einer Quote von 4,7 Prozent. Die „fehlenden 0,7 Prozent bis zur angestrebten 4,0-Prozent-Marke lassen sich in einem überschaubaren Zeitraum schaffen“, sagt Kühlborn.

Stadt Kassel will Modellregion werden 

Die Stadt Kassel und das Staatliche Schulamt möchten sich als Modellregion Inklusion anerkennen lassen. „Es geht um den sinnvollen Ausbau der inklusiven Beschulung über Jahre hinweg“, sagt Thomas Burger vom Staatlichen Schulamt. Das Projekt soll nach Möglichkeit zum 1. August 2015 starten und über fünf Jahre laufen.

Kennzeichnen würde es sich durch vier Eckpunkte: Zum einen werden alle Lehrkräfte systematisch geschult und auf die neuen Anforderungen vorbereitet, sagt Burger. Zum anderen würden die Lehrerstellen nicht verloren gehen, die bisherigen Förderschullehrer würden dann an den inklusiven Schulen arbeiten. Drittens werde die Stadt dann mit ins Boot geholt, zum Beispiel, was Finanzierungen angeht. Der letzte Pfeiler wäre der, dass das Projekt über den gesamten Zeitraum fachlich begleitet wird. „So lässt sich feststellen, ob und was das gebracht hat“, erklärt Burger.

Ob die Stadt Kassel tatsächlich eine Modellregion wird, steht aber noch nicht fest. „Das muss erst noch durch alle Gremien“, erklärt Burger. Ob der Landkreis bei einer positiven Entscheidung mit einsteigen würde, weiß er nicht: Auswirkungen werde das aber sicherlich haben.

Von Constanze Wüstefeld

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