Ausstellung zum Tag des offenen Denkmals in der Obermühle in Wilhelmshausen

Champagner trifft auf Sandstein

In seinem Element: In der Obermühle zeigt Fritz Betz eine Ausstellung über Mühlsteine. Die Handmühle (kleines Bild) besteht aus einem Teller und einem Handmahlstein. Fotos:  Wienecke

Fuldatal. Fritz Betz liebt es, von seinem Handwerk zu berichten und dabei kleine Anekdoten einzuflechten. „Ich will immer jeden zum Müller machen“, sagt er und lacht. Am Sonntag, 11. September, wird der Müllermeister gemeinsam mit Willy Pötter, dem Leiter des Heimatmuseums Fuldatal, wieder durch die Obermühle in Fuldatal-Wilhelmshausen führen.

Ein Hingucker ist die Ausstellung im Dachgeschoss der Museumsmühle. Dort werden Mühlräder und Mühlsteine auf Fototafeln gezeigt und näher erläutert. Eine Handmühle, die aus einem Teller und einem Handmahlstein besteht, ergänzt diese Präsentation.

Aus dem Jahr 1906

„Im unserem Mahlgang befindet sich ein Franzose“, sagt Fritz Betz. Er meint einen Süßwasserquarz aus der Champagne, der aus einem der berühmtesten Steinbrüche Europas stammt. 480 Mark hat er im Jahr 1906 gekostet. Über den Wasserweg und mit Pferdefuhrwerken wurde er nach Wilhelmshausen gebracht.

Ganz aus der Nähe, aus der Termenei, stammt hingegen der Mühlstein des Schrotgangs für das Mahlen von Viehfutter. Der Sandstein von dort wurde auch für Fundamente von Häusern verwendet. Für das Mahlen von Mehl bevorzugte man jedoch den härteren Champagnerstein.

„In der Kriegs- und Nachkriegszeit war die Mühle sehr wichtig für die Bevölkerung“, sagt Herta Gerner. Ihre Familie ist seit der Zeit um 1785 im Besitz der Mühle, die außer Obermühle auch Gobrechts Mühle genannt wurde. „Das war keine Handelsmühle für die Bäckereien, sondern eine reine Kundenmühle“, ergänzt Fritz Betz. „Bei gutem Wasser, also wenn viel Wasser da war, konnten bis zu 1,5 Tonnen Getreide in 24 Stunden gemahlen werden“, berichtet er.

Das Wasser der Obermühle wurde im Anschluss für den Betrieb der Untermühle, die sich 150 Meter weiter unten im Ort befand, verwendet. Wo die dritte Mühle, die Klostermühle, einmal genau stand, sei nicht mehr feststellbar, sagt Fritz Betz. Er vermutet ihren Standort am Mühlbach zwischen Kötnerei und Holzhäuser Straße im Mitteldorf.

„Weizenmehl für Hostien für die katholische Kirche durfte dort aber auch nicht gemahlen werden“, erzählt der 80-Jährige. „Das ging nur in Lippoldsberg, wo eine Genehmigung vorlag. Eine Hostienmühle musste zum Kloster gehören, genau wie das Land, auf dem das Getreide wuchs. Der Weizen musste auch im Kloster gedroschen werden.“

Von Bettina Wienecke

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