Helsas Hauptamtsleiter Hilmar Schröder wechselt nach 48 Jahren Dienstzeit in den Ruhestand

Der Chef der Zahlen tritt jetzt ab

üter der Gemeindekasse: Helsas Kämmerer und Hauptamtsleiter Hilmar Schröder wechselt nach fast 49 Jahren in den Ruhestand. Foto: Kothe

Helsa. „Ich muss Zahlen um mich herum haben, das ist meine Welt“, sagt Hilmar Schröder und schaut nachdenklich auf ein großes Luftbild der Helsaer Dorfkirche an der Wand seines Büros. Das Bild hat ihm vor etlichen Jahren der heutige Landrat Uwe Schmidt als Abschiedsgeschenk überreicht, als er vom Bürgermeisterstuhl in die Kreisverwaltung wechselte.

48 Jahre und neun Monate

Hilmar Schröder war bis heute Hauptamtsleiter der Gemeinde Helsa, er blickt auf 48 Jahre und neun Monate Dienst als Verwaltungsangestellter zurück.

Morgen wechselt er in den Ruhestand. Die „50“ wollte der 63-jährige Wickenröder nicht mehr voll machen. „Das reicht doch, jetzt sind Jüngere am Zug.“ Im April 1962 hat Schröder seine Ausbildung zum Verwaltungsangestellten in der damals noch selbstständigen Gemeinde Wickenrode begonnen. Dorfbürgermeister Ludwig Dann holte ihn in die zweiköpfige Verwaltung, ein Auszubildender sei schließlich eine günstige Arbeitskraft gewesen. Schröder: „Das war nicht mit heute zu vergleichen, alles war gemächlich.“

Ludwig Dann war es auch, der ihm zum Ende seiner Ausbildung 1964 eine Stelle in der Stadtverwaltung von Großalmerode vermittelte. Hier arbeitete Schröder bis 1973 in der Finanzverwaltung.

Für vier Monate ging er 1973 nach Kaufungen, um danach von Ludwig Dann wieder abgeworben zu werden. Der Altbürgermeister habe immer ein Auge auf ihn gehabt. Am 1. Oktober 1973 bezog Hilmar Schröder sein Büro in der Verwaltung der neuen Großgemeinde Helsa.

Und auch hier waren es Zahlen und Finanzen, die seine Arbeit ausmachten. Als Verwalter der Gemeindekasse und seit 1985 als Kämmerer durfte er viele Jahre mit schwarzen Zahlen erleben. 1986 übernahm Schröder die Leitung der Haupt- und Finanzverwaltung und war seither als Büroleiter der stille Chef der Gemeindeverwaltung. Jedes Jahr galt es, einen neuen Gemeindehaushalt zu erstellen. Schröder: „Das hat immer Spaß gemacht, auch wenn die Politik mal wieder etwas verändert hat.“

Freude auf das 3. Enkelkind

Doch nach der Wende sei es schwerer geworden, das Geld zusammenzuhalten. Fördermittel wurden gestrichen, Einnahmen sanken, und seit zehn Jahren ist auch Helsa nicht aus den roten Zahlen herauszuhalten. Doch mit erhobenem Zeigefinger sagt er stolz: „Um 2006 haben wir es geschafft und konnten sogar Schulden abtragen.“

An die Maueröffnung erinnert er sich noch gern. Kolonnen aus Trabis seien durch Helsa gefahren, die Gemeindeverwaltung war Auszahlstelle des Begrüßungsgeldes. „Das sollte locker gehandhabt werden, so unsere Anweisung. Nachweise, wer was bekommen hatte, gab es keine“, erinnert sich Schröder und fängt an zu lachen. Manche DDR-Bürger seien da mehrmals gekommen.

Die Zahlen werden ihm fehlen, aber jetzt habe er mehr Zeit fürs Reisen, nach Sylt und Rügen, mit ausgedehnten Wanderungen, aber auch zum Radfahren und für das ehrenamtliche Engagement im Verkehrsverein Wickenrode. Und Schröder freut sich auf sein drittes Enkelkind. Seine Augen leuchten dabei.

Dem Abschied sieht er gelassen entgegen. Lachend zeigt er auf den Schrank: „Da sind hundert Aktenordner mit Protokollen aus 30 Jahren verstaut, an 700 Sitzungen habe ich als Schriftführer teilgenommen, das darf jetzt ein anderer weiterführen.“

Von Markus Kothe

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.