Briefmarkenfreunde beklagen bei Tauschtag Mitgliederschwund

Kleinode in seiner Sammlung: Hans-Rainer Kuss präsentierte beim Briefmarken-Tauschtag in Baunatal Notopfer-Marken aus den 1920er-Jahren. Foto: Dilling

Baunatal. Hans-Rainer Kuss ist leidenschaftlicher Briefmarkensammler. Mit sieben Jahren hat der heute 71-Jährige in der damaligen DDR sein erstes Album aufgebaut. Das nahm er auch später mit in den Westen. Schon zwei- oder dreimal hat er seine Sammlung ausgetauscht. Man kann ja nicht immer das Gleiche sammeln.

Sammler wie Kuss, der zu den 50 Briefmarken-Enthusiasten gehörte, die am Sonntag zum Tauschtag der Briefmarkenfreunde nach Baunatal kamen, sind rar geworden. Der Baunataler Verein, der in guten Zeiten mal 68 Mitglieder hatte, ist jetzt auf 32 geschrumpft. Für die alten Sammler, die aufhören oder sterben, kämen keine neuen nach, sagt Wolfgang Trzemzalski, der Vorsitzende.

Nur noch ein Bruchteil

Die sinkende Zahl von Sammlern habe dramatische Folgen für den Marktwert vieler Briefmarken, sagt der zweite Vorsitzende Jochen Pfaff. Vor allem deutsche Postwertzeichen aus dem Zeitraum ab Mitte der Fünfzigerjahre bis zum Ende der D-Mark hätten stark an Wert verloren. Manche seien nur ein paar Cent wert, nur einen Bruchteil des aufgedruckten Wertes. Es gebe sie in großer Stückzahl, die nun auf einen kleiner werdenden Markt von Sammlern treffen. Neue Sammler würden vom finanziellen Aufwand für heutige deutsche Postwertzeichen abgeschreckt. Wer die von der Deutschen Post jedes Jahr herausgegebenen Briefmarken und Ersttagsbriefe komplett erwerben wolle, müsse bis zu 300 Euro ausgeben. Das sei für Jugendliche einfach zu viel.

Aus dem Deutschen Reich

Eigentlich seien nur noch aus China stammende Marken für Sammler richtig spannend, meint der zweite Vorsitzende. Allerdings auch nur die Marken, die zwischen 1960 und 1980 in den Verkehr kamen. Auch Postwertzeichen aus dem Deutschen Reich können noch sehr wertvoll sein. Hans-Rainer Kuss zählt dazu Sondermarken, die nach dem Ersten Weltkrieg für die Nothilfe von Kriegsversehrten gedruckt wurden.

Kostenlose Halle

Pfaff ist froh, dass sein Verein wenigstens die Stadthalle für seine Tauschtage und den Versammlungsraum am Erlenbach kostenlos von der Stadt bekommt. Da seien andere Vereine schlechter dran.

Zunächst hatten die Briefmarkenfreunde gewisse Hoffnungen auf das Internet gesetzt. Die haben sich jedoch weitgehend zerschlagen. Das Amt des Internetbeauftragten habe man wieder abgeschafft, berichtet Pfaff. Er glaubt, dass das weltweite Netz den Vereinen eher schade. Denn die Tauschbörsen traditioneller Art verlören an Bedeutung, wenn online ein riesiges Angebot zur Verfügung stehe.

Von Peter Dilling

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