Nach Unfällen in Lohfelden und Baunatal

Chlorgas sorgt für Aufregung im Kreis

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Geräumt: Das Freibad Lohfelden wurde nach dem Austritt von Chlorgas am 13. Juli sofort gesperrt. Nach Überprüfung der Anlage wurde das Bad am nächsten Tag wieder geöffnet.

Kreis Kassel. Im Juli sorgten zwei Chlorgasunfälle in Schwimmbädern der Region für Aufregung: Im Freibad Lohfelden wurden nach einem Gasaustritt mehrere Jugendliche ins Klinikum Kassel gebracht.

Wesentlich glimpflicher verlief eine Ausgasung im Aqua-Park Baunatal, denn das Sport- und Freibad war zum Unfallzeitpunkt noch nicht geöffnet. Beide Zwischenfälle lösten Einsätze der Feuerwehr und des in Baunatal stationierten Gefahrstoffzuges aus.

Ursache für die Gasaustritte waren technische Defekte an Regelventilen, die anschließend unverzüglich ausgetauscht worden sind. Um weiteren Unfällen vorzubeugen, wurden die Chlorgasanlagen in beiden Bädern komplett überprüft.

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Die Gemeinde Lohfelden hat in ihrem Freibad auch die Warnanlage, die bei dem Gasaustritt zu spät anschlug, und alle wasserführenden Einrichtungen der Berieselungsanlage im Chlorgasflaschenraum von einer Fachfirma kontrollieren lassen. „Bei uns kann nur im Flaschenraum Gas austreten, nicht in den Vollvakuumleitungen, die zur Wasseraufbereitung führen“, sagt Lohfeldens Freibadleiter Klaus Günther, der den Gasgeruch damals selbst bemerkt hatte, alle Regler an den Gasflaschen sofort verriegelte und so Schlimmeres verhütete.

„Wir werden unsere Chlorgasanlage im nächsten Jahr unmittelbar vor der Saison warten lassen“, sagt Olaf Seemeyer (53). Der Bäderbetriebsleiter der Stadt Baunatal weiß, dass gerade Regler, die in feuchter Umgebung mit Chlor in Berührung kommen, einem erhöhten Verschleiß unterliegen.

Weil es derzeit keine Alternativen gibt, wird Chlorgas in den meisten größeren Hallen- und Freibädern als Mittel zur Desinfektion des Beckenwassers eingesetzt. Das gilt auch für das neue Auebad in Kassel.

Kleinere Einrichtungen, wie das Waldschwimmbad in Söhrewald-Wattenbach, arbeiten noch mit Chlor-Granulaten oder Chlorbleichlaugen, die dem Badewasser mittels einer Pumpe in kontrollierter Dosierung zugeführt werden. Schon bei dem Austritt geringerer Mengen Chlorgas sind Personal, Gäste und gegebenenfalls auch Anwohner von Schwimmbädern gesundheitlich gefährdet. Für solche Zwischenfälle existieren deshalb auch in Baunatal und Lohfelden detaillierte Notfallpläne und Betriebsanweisungen.

„Alle Kontrollen im Bereich der Chlorgasanlagen werden dokumentiert“, sagt Betriebsleiter Olaf Seemeyer, der auch auf das für den Aqua-Park bestehende besondere Sicherungs-Alarmsystem hinweist:

Bei Gasaustritt im Chlorgasraum erfolge über die Brandmeldeanlage eine unmittelbare Warnmeldung an die Leitstelle der Feuerwehr. Zusätzlich werden in den Schwimmmeisterbereichen optische und akustische Signale ausgelöst, sodass im Notfall vor Ort schon erste Maßnahmen getroffen werden können.

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