Hessisches Kutschen- und Wagenmuseum zeigt ein Gala-Coupé der Augsburger Fugger

Wie Cinderella in der Kürbiskutsche

Prachtstück aus dem Jahr 1789: Das Gala-Coupé wurde für die Augsburger Familie Fugger in Straßburg hergestellt. Fotos:  Wienecke

Lohfelden. „Bitte einsteigen!“ Horst Fehr vom Kutschenmuseum macht heute eine große Ausnahme. Er öffnet die Tür des Gala-Coupés und klappt die Trittstufen herunter. Im Inneren des 222 Jahre alten Prachtstücks fühlt man sich wie Cinderella in der Kutsche, die ihr die Märchenfee aus einem Kürbis schuf.

Wie ein schützender Kokon umfängt der Innenraum den Fahrgast mit wertvollem rotem Stoff. „Dass die Kutsche so weich federt, liegt an den Lederriemen“, sagt Horst Fehr und weist darauf hin, wie aufwendig diese bestickt sind. „Der Kasten hängt an vier Riemen in C-Federn aus Stahl.“

Auch die Einlegearbeiten und die Vollholzschnitzereien verraten es: Dies muss die Kutsche eines reichen Mannes sein. Und tatsächlich, die Leihgabe im Lohfeldener Museum wurde 1789 in Straßburg für die schwäbische Kaufmannsfamilie Fugger hergestellt.

Der Kaufherr und Bankier Jakob Fugger ist wohl der bekannteste Angehörige dieser Familie. Der Unternehmer lebte von 1459 bis 1525. Päpste und Mitglieder der einflussreichen Medici-Dynastie waren seine Kunden. Im Jahr 1521 stiftete er die Fuggerei, die älteste Sozialsiedlung der Welt, in Augsburg. Dort wohnen auch heute noch bedürftige katholische Bürger für eine Jahreskaltmiete von 0,88 Euro, dem Gegenwert eines Rheinischen Guldens, und drei Gebete für den Stifter und seine Familie am Tag. Die schöne Siedlung mit 67 Häusern und eigener Kirche kann auch besichtigt werden.

Hessisches Kutschen- und Wagenmuseum, Friedrich-Ebert-Ring 14, Lohfelden-Crumbach, jeden ersten Sonntag im Monat 15 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung, Tel. 0561/ 51  68  94, Infos im Internet: www.kutschenmuseum.de

Von Bettina Wienecke

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