Dachdecker-Betrieb Keßler feiert 50-jähriges Bestehen

Auf Dächern der Region zuhause

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Arbeit in luftiger Höhe: Wilhelm Keßler (hinten) und Kurt Hoffmann arbeiteten 1968 gemeinsam am Kirchturm in Wenigenhasungen. Dieser wurde mit Schiefer eingedeckt.

Schauenburg. „Ich komme gerade von einem Kunden. Dort habe ich das Dach vermessen.“ Wilhelm Keßler steht im Flur, hat die Jacke noch an. Von Ruhestand ist bei dem 76-Jährigen Dachdeckermeister nichts zu spüren.

Im Gegenteil: Die Sekretärin ist im Skiurlaub, da muss er die Büroarbeit nebenher selbst erledigen. „Das hält jung“, sagt er, bevor er bei einem Cappuccino ein wenig zur Ruhe kommt. Und überhaupt: Solchen Stress ist Keßler gewohnt, seit 50 Jahren gibt es den Betrieb in Breitenbach schließlich.

Das Dachdeckerhandwerk hat Wilhelm Keßler schon in die Wiege gelegt bekommen. Der Vater unterhielt in Wenigenhasungen seit 1929 einen Ein-Mann-Betrieb. Von 1951 bis 1954 absolvierte Wilhelm die Dachdecker-Ausbildung bei der Firma Rudolph am Garde-du-Corps-Platz in Kassel. „Das war noch die Zeit, wo wir über Winter arbeitslos wurden“, erinnert er sich.

Ein Stück Geschichte: Wilhelm Keßler hat ein Schild aus dem Betrieb seines Vaters aus dem Jahr 1929 gerettet. Darauf werden Passanten auf Dachdeckerarbeiten hingewiesen.

Nachdem der Vater 1958 gestorben und die Familie 1959 nach Breitenbach umgezogen war, eröffnete er 1963 mit Bruder Heinrich und dessen Schwiegervater eine eigene Dachdeckerfirma. 1994 übernahm Wilhelm das Geschäft komplett. „Unser Betrieb wurde immer größer. Zeitweise hatten wir bis zu 25 Leute.“ Nicht zu groß werden, lautete stets die Devise. Heute hat die Firma acht Mitarbeiter. „Alles gute Leute“, sagt der Chef. Zwei Kinder, Sohn und Tochter, sind aus der Ehe mit Hildegard hervorgegangen. Verheiratet sind die Keßlers seit 52 Jahren.

Neben unzähligen Privathäusern haben der Jubilar und seine Beschäftigten vielen öffentlichen Gebäuden in der gesamten Region ein neues Dach verpasst. Die Schauenburghalle in Hoof zählt ebenso dazu wie beispielsweise ein Genossenschaftsgebäude am Kasseler Rammelsberg mit 3000 Quadratmeter Dachfläche. „Das sind 120.000 Ziegeln drauf“, berichtet Keßler.

Ein Spezialgebiet der Firma sind Kirchen. „Wir haben über 20 Kirchen gemacht“, sagt der Breitenbacher. Die größte war die Stadtkirche in Wolfhagen. Aber auch Keßlers Heimatkirche in Wenigenhasungen kam 1968 an die Reihe.

Wilhelm Keßler hat sich immer für andere engagiert. 25 Jahre stand er an der Spitze der Schauenburger Gewerbevereinigung, die heute Leistungspartner heißt. Über 60 Lehrlinge bildete er zudem aus.

Die Firma W. Keßler ist ein Stück Dorfgeschichte. Verbundenheit mit seinen Kunden - das hebt der 76-Jährige immer wieder hervor - sei sein Erfolgsrezept. „Davon leben wir auch“, betont er.

Spricht Wilhelm Keßler über die Jahrzehnte lange Arbeit bei Wind und Wetter auf unzähligen Dächern bleibt er eher sachlich. „Ich bin ein Organisator“, sagt er nur.

Steuert das Gespräch aber auf sein Hobby Landwirtschaft zu, kommen Emotionen ins Spiel. „Ich bin ein kleiner Hobby-Bauer“, erzählt er. Und dann schwärmt er davon, was ein einziges Saatkorn alles kann. „Das kann einen ganzen Stein verschieben.“

Von Sven Kühling

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