Lothar Siewert (82) aus Kassel musste mitansehen, wie sein Auto beim TÜV in Vellmar ausbrannte

Nach Auto-Brand beim Tüv: „Dann war da nur noch Schrott“

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Das Wrack von vorne: Die Front des Kleinwagens von Lothar Siewert ist ausgebrannt.

Vellmar/Kassel. Seit 1962 besitzt Lothar Siewert aus Kassel-Jungfernkopf seinen Führerschein. Aber dass - wie am Dienstag auf dem TÜV-Gelände in Vellmar geschehen - sein Auto ausbrannte, ist ihm noch nicht passiert.

Trotzdem hat der 82-Jährige seinen Humor nicht verloren: „Von hinten sieht er noch ganz gut aus und jetzt hat er sogar getönte Scheiben“, witzelt er in Anspielung auf die dicke Russchicht, die seinen VW Fox seit dem Feuer überzieht.

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Dabei fing der Dienstag ganz normal an. Siewert war mit seinem roten Fox in der Waschanlage („Ich wollte beim TÜV ein sauberes Auto“), packte den neuen Verbandskasten ein („Der alte war abgelaufen“), legte das Warndreieck in den Kofferraum und fuhr zum Vellmarer TÜV.

Das Unheil nahm seinen Lauf, als Prüfer Peter Müller-Immel um 11.50 Uhr das Fahrzeug rückwärts in die Halle zur Untersuchung fahren wollte. Erst wurde es warm im Fußraum, kurz darauf quoll Rauch aus dem Sicherungskasten, dann schlugen Flammen aus dem Motor. „Und dann war das Auto nur noch ein Schrotthaufen“, sagt Lothar Siewert trocken.

Wrack von hinten: Zumindest die Farbe ist noch zu sehen.

Den Schuss Gelassenheit und die Art, immer das Beste aus der Situation zu machen („Hauptsache, es wurde niemand verletzt“), verdankt Lothar Siewert auch seiner Herkunft: Er wurde in Berlin geboren, und die Berliner sind für ihren speziellen Humor bekannt. Dazu kommt eine gewisse Weltläufigkeit: Als gelernter Starkstrommonteur kam er viel herum in der Welt, arbeitete lange im Ausland, in der Türkei, Polen, Finnland und Holland.

Von Aufregung nach dem Brand keine Spur: „Mein Mann ist immer entspannt“, sagt Ehefrau Helga. Den Ortstermin gestern auf dem Gelände des Abschlepp-Platzes nahm Lothar Siewert gleich zum Anlass, um sich beim gegenüber liegenden Autohaus Klein nach einem preiswerten Nachfolger für seinen verbrannten Fox umzuschauen.

In dem Wrack seines VW war er zuvor schon fündig geworden. Aus der verkokelten Türablage fingerte er neben der noch blauen Parkscheibe einen rußverschmierten Zettel. „Die Bedienungsanleitung für eine Schaltuhr“, erläutert er. „Ich bin nämlich im Kirchenvorstand Jungfernkopf und verantwortlich für das Läutwerk der Glocken.“

Von Stefan Wewetzer

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