Landkreis Kassel legt Sozialatlas vor – Die soziale Lage der Menschen ist an Zahlen ablesbar

Die Daten zeigen, wo es klemmt

Umfangreiche Datensammlung: Kreismitarbeiter Wolfgang Engelmohr (links) hat den Sozialatlas aus vielen Quellen zusammengestellt. Sozialdezernentin Susanne Selbert und Sozialamtsleiter Jörg Roßberg sehen die Datensammlung als Grundlage für weitere Sozialplanungen. Foto: Schindler

Kreis Kassel. Etwa 125 Millionen Euro gibt der Landkreis Kassel pro Jahr für die Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen aus, das ist mehr als die Hälfte des Kreishaushalts (246 Mio. Euro). Junge Menschen, Familien, Arbeitslose, Hochbetagte und Behinderte werden damit unterstützt. Doch wie wirksam ist die Unterstützung? Ist sie zielgenau und hilft sie den Betroffenen wirklich? Und was muss gegebenenfalls verändert werden?

Das sind Fragen, für deren Beantwortung der Sozialatlas des Landkreises die Grundlagen liefern soll. Auf 300 Seiten sind Daten über die Entwicklung von Sozialhilfe und Hartz-IV-Leistungen, über die Altersstruktur und die Zusammensetzung der Bevölkerung aufgeführt. Auch die soziale Lage in jeder der 29 Kommunen des Landkreises wird detailliert abgebildet.

In akribischer und monatelanger Arbeit hat Kreismitarbeiter Wolfgang Engelmohr die Daten zusammengefügt und in Grafiken anschaulich aufbereitet. Die Zusammenarbeit der verschiedensten Stellen war dazu nötig.

Unterschiedliche Ämter lieferten die anonymisierten Daten, darunter Kommunen, das statistische Landesamt, aber auch Aids-Hilfe, Drogenberatung und andere soziale Träger. Herausgekommen ist ein Bild über den Grad der Hilfsbedürftigkeit unter den 240 000 Einwohnern des Landkreises.

„Der Sozialatlas ist die Grundlage für unser gesamtes sozialpolitisches Handeln in den kommenden Jahren“, sagt Sozialdezernentin Susanne Selbert (SPD). „Die Daten zeigen, wo es Defizite gibt und wo wir etwas tun müssen.“

Das Zahlenwerk soll nicht in den Amtsstuben verstauben, sondern eine breite politische Diskussion über die Weiterentwicklung der Sozialsysteme auf örtlicher Ebene ermöglichen. „Das erhöht die Akzeptanz“, sagt Susanne Selbert. 500 Exemplare der Datensammlung wurden daher produziert. Alle Kreistagspolitiker, alle Gemeinden, auch viele soziale Einrichtungen erhielten ein Exemplar; darüber hinaus können Interessierte für 15 Euro ein Exemplar erwerben.

„Die Daten zeigen, wo es Defizite gibt und wo wir etwas tun müssen.“

Sozialdezernentin susanne Selbert

Der Sozialatlas ist als Loseblattsammlung angelegt. Das macht es möglich, die Daten ohne großen Aufwand zu aktualisieren.

Bisher hatte der Sozialatlas des Kreises nur die Lage von Kindern, Jugendlichen und Älteren abgebildet. Nun sind alle sozialen Maßnahmen aufgeführt; auch Gesundheitshilfen, Unterstützung für Behinderte und für Migranten finden sich hier wieder.

„Der Sozialatlas ist zum ersten Mal so umfangreich“, sagt Sozialamtsleiter Jörg Roßberg. Nun könne man auch Querverbindungen zwischen Hartz IV und Sozialhilfe ziehen, das ermögliche ein realistischeres Bild.

Denn wer Hilfe erhält, wird häufig aus mehreren Programmen bedient. ARTIKEL UNTEN

Von Holger Schindler

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