Demokratieforscher: "Drei Wahlen an einem Tag helfen eher der SPD"

Dr. Stephan Klecha vom Göttinger Institut für Demokratieforschung

Drei Wahlen an einem Tag – über diese Sondersituation sprachen wir mit Dr. Stephan Klecha (35), wissenschaftlicher Mitarbeiter am Göttinger Institut für Demokratieforschung der Georg-August-Universität.

Wie wirkt sich diese besondere Drei-Wahlen-Konstellation auf die Wahlbeteiligung aus?

Stephan Klecha: Man unterscheidet zwischen Wahlen erster, zweiter und dritter Ordnung. Bundestagswahlen sind Wahlen erster Ordnung und haben die höchste Wahlbeteiligung. Nach wie vor nehmen bundesweit über 70 Prozent der Bürger an dieser Abstimmung teil. Landtagswahlen als Wahlen zweiter und kommunale Wahlen als Abstimmungen dritter Ordnung haben in der Regel mit 60 Prozent beziehungsweise mit 50 Prozent niedrigere Wahlbeteiligungen. Das bedeutet in Bezug auf die Zusammenlegung der Wahltermine, dass mutmaßlich Personen, die nicht an der Landtags- oder Bürgermeisterwahl teilgenommen hätten, sicher aber an der Bundestagswahl mitwirken, nun auch bei den von ihnen als nachrangig angesehenen Wahlen ihre Stimme abgeben.

Neigen Wähler dazu, bei der Bürgermeisterwahl die Partei, die sie auf Bundesebene präferieren, zu berücksichtigen?

Klecha: Sicherlich gibt es Wähler, die nur an der Bürgermeisterwahl teilnehmen, weil sie wegen der Bundestagswahl eh im Wahllokal sind. Diese dürften mutmaßlich ihr Wahlverhalten von der Bundestagswahl auf die Bürgermeisterwahl übertragen. Zugleich gibt es aber auch jene Wähler, die immer wählen gehen und die sehr genau differenzieren, was sie für welche Ebene wählen.

Wer könnte von der gebündelten Wahl profitieren?

Klecha: Mobilisierungsprobleme haben traditionell eher die Parteien der politischen Linken. Eine höhere Wahlbeteiligung hilft also eher der SPD, für die Espenau ohnehin eine Hochburg ist. Allerdings könnte wiederum die politische Bundesstimmung dazu beitragen, dass der sonst aus der erhöhten Wahlbeteiligung resultierende Effekt wieder konterkariert wird. Dann wäre es für die SPD nach gegenwärtigem Stand wohl ein Nullsummenspiel, was aber gemessen an der örtlichen Ausgangslage wiederum zumindest keinen Nachteil für die Sozialdemokraten darstellt. (zms)

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