Interview: Bürgermeister Michael Reuter (SPD) über das Gewerbegebiet Lohfeldener Rüssel

„Der Branchenmix stimmt“

Michael Reuter Archivfoto: Koch

Lohfelden. Das interkommunale Gewerbegebiet Lohfeldener Rüssel, das von Lohfelden und Kassel gemeinsam ins Leben gerufen wurde, entwickelt sich sehr dynamisch. Mitte Dezember wurde bekannt, dass sich nach dem Lkw-Hersteller Scania nun auch Mercedes hier ansiedeln wird. Wir sprachen mit Lohfeldens Bürgermeister Michael Reuter (SPD) über die Entwicklung.

Herr Reuter, Mercedes wird im Gewerbegebiet Lohfeldener Rüssel ein Lkw-Center errichten. Was bedeutet diese Entscheidung für das Gewerbegebiet?

Michael Reuter: Die Entscheidung von Mercedes zeigt, dass dieses Gebiet eine 1A-Lage in der Mitte Deutschlands ist. Sie unterstreicht einmal mehr, dass die politische Entscheidung, hier ein interkommunales Gewerbegebiet zu errichten, für die Entwicklung der Region richtig war.

Der SVG-Autohof, die Spedition Petri-Fuchs, die Lkw-Marken Scania und Mercedes, daneben die Motorendienstleister Kolben-Seeger und Beyer – am Rüssel siedeln sich vor allem Unternehmen aus der Automobilbranche an. Das birgt Risiken, wenn die Autokonjunktur schwächeln sollte. Stimmt die Mischung?

Reuter: Um die Produktion von Waren in der Region zu halten, werden leistungsfähige Logistik und Service rund um die Lieferung von Waren gebraucht. Logistik, Lieferung von Waren in die Republik, in die Welt, aber auch das Reisen erfolgen im wesentlichen durch Lkw und Pkw. Der achtstreifige Ausbau der A7 und der Ausbau des Rasthauses Kassel bestätigen die Richtigkeit der Ansiedlungen. Auch wissenschaftliche Einschätzungen deuten auf keine wesentlichen Veränderungen in der Verkehrsnutzung hin. Die Mischung in unserem Gewerbegebiet stimmt, da neben den genannten Unternehmen auch Betriebe aus Glasindustrie, Kunststoffverarbeitung, Maschinenbau sowie Prüfstände, Handel und Dienstleistung angesiedelt sind.

Welche Rolle spielt dabei die Region?

Reuter: Beim Branchenmix darf man nicht ein einzelnes Gewerbegebiet betrachten, sondern man muss sich den Branchenmix der gesamten Region ansehen. Die Ergebnisse der Befragung hinsichtlich der Dynamik und Qualität der Stadt Kassel und deren Entwicklungsmöglichkeit zeigt, dass der Branchenmix in unserer Region stimmt. Das wird sich auch in Zukunft positiv auf die Entwicklung der Arbeits- und Ausbildungsplätze in unserer Region auswirken.

Die größten Flächen am Rüssel sind belegt. Wie viel Platz haben Sie noch für weitere Betriebe?

Reuter: Für weitere Ansiedlungen steht noch je eine Fläche in der Größe von 10 000, 6000 und 2700 Quadratmeter zur Verfügung.

Gibt es Optionen von weiteren Firmen, die sich ansiedeln wollen?

Reuter: An fünf Unternehmen haben wir derzeit Optionen vergeben, drei davon stehen vor Vertragsabschluss. Es handelt sich um Betriebe aus den Bereichen Industrie, Forschung, Maschinenbau und Baumaschinentechnik.

Die Gemeinde Lohfelden hat am Rüssel viel Geld investiert. Die Finanzlage der Gemeinde ist nicht mehr so rosig wie früher. Sind die Erschließungskosten durch die Firmenansiedlungen zurückgeflossen?

Reuter: Die Erschließung des Gewerbegebietes hat 5 Millionen Euro gekostet und wurde, da es ein interkommunales Gewerbegebiet ist, durch die Europäische Union mit 3 Millionen Euro gefördert. Der Verkauf der Grundstücke hat bis heute 5 Millionen Euro erbracht.

Gewerbesteuereinnahmen sind wichtig zur Finanzierung der Gemeinde. Wie wollen Sie künftig für Einnahmen sorgen, wenn der Rüssel vollständig belegt ist?

Reuter: Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Gemeinde Lohfelden auch in Zukunft an der Entwicklung interkommunaler Gewerbegebiete beteiligt ist, um neben dem regionalen Auftrag auch die Einnahmesituation unserer Gemeinde zu stabilisieren.

Von Holger Schindler

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