Baugebiet Hasenstock: Fuldatal muss sechs Millionen Euro Abschlag zahlen

„Der Schaden ist brutal“

Diethelm

Fuldatal. „Friss oder stirb“ -CDU-Mann Clemens Schöler brachte die Situation auf den Punkt, als es in der Sitzung der Fuldataler Gemeindevertreter am Mittwochabend um die Zukunft des Baugebietes Hasenstock ging. Da die Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) den Vertrag über die Erschließung und Vermarktung der Grundstücke nicht mehr verlängern will, muss sie ausgezahlt werden.

Einstimmig beschlossen die Gemeindevertreter daher, den Vertrag noch einmal bis zum 15. Dezember 2011 zu verlängern und dann auslaufen zu lassen. Bis dahin soll die komplette Erschließung durch die DSK abgewickelt werden. Die finanziell angeschlagene Gemeinde trifft das hart: Vier Millionen Euro werden im kommenden Jahr als Abschlag an die DSK fällig, noch einmal knapp zwei Millionen kommen 2012 dazu.

Einig waren sich alle Fraktionen, dass das Baugebiet Hasenstock von Beginn an nicht funktionierte. Seit 1997 wurden bislang erst 50 Prozent der Grundstücke verkauft, 713 000 Euro wurden nach Auskunft von Bürgermeisterin Anne Werderich (FDP) bislang eingenommen.

Diethelm Schultz (SPD) verteidigte die Ausweisung des Baugebietes im Nachhinein „als richtigen Schritt“. Die Gemeinde habe adäquates Bauland ausweisen müssen. Als Gegenwert blieben ja die unverkauften Grundstücke.

Clemens Schöler sah für die CDU doch noch gute Chancen, die Grundstücke an den Mann zu bringen, da in den umliegenden Kommunen - Beispiel Vellmar - Bauplätze knapp geworden seien. „Wir erwerben einen Wert.“ Aber: Unbedingt notwendig sei ein Vertrag mit einem privaten Investor oder einer Immobiliengesellschaft, „um die Grundstücke schnell an den Markt zu bringen“. Die Straßenbahnverbindung nach Kassel wäre für eine Vermarktungsstrategie förderlich gewesen.

„Die Fehler der Vergangenheit holen uns erbarmungslos ein“, betonte Klaus-Dieter Sänger für die FDP. Den Bauboom der 80er-Jahre habe die Gemeinde damals verpasst, der Vertrag mit der DSK sei „unsinnig“, die Grundstückspreise seien zu hoch gewesen. Die Auszahlung der DSK sei „das Schlimmste, was uns in der momentanen Situation passieren konnte“.

Zu hohe Preise für 1 B-Lagen - auch beim Gewerbegebiet und anderen Baugebieten wie Simmershausen - machte im Rückblick auch Thomas Ackermann von den Grünen aus. Sein Fazit: „Der Schaden ist brutal.“ Um das Beste aus der Situation zu machen, müsse das Umfeld, müsse Fuldatal attraktiver gestaltet werden. Ein Fehler sei es gewesen, keine Buslinie über den Hasenstock zu führen. Karsten Schreiber (CDU) forderte, den Zweckverband für die Vermarktung endlich in die Pflicht zu nehmen. Für Fuldatal bilanzierte er: „Wir waren immer zu spät.“ KOMMENTAR

Von Stefan Wewetzer

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