Volkswagen-Praktikantin Stefanie Flohr berichtet von ihren Erlebnissen in Peking

Dicke Luft und Spucke

Alle wollen die blonde Frau fotografieren: Stefanie „Steffi“ Flohr (Zweite von links) auf dem Tian’anmen (Platz des himmlischen Friedens) vor der verbotenen Stadt in der chinesischen Hauptstadt Peking.

Peking. Ich kann mich noch genau erinnern, dass ich in meiner ersten Woche in der Stadt, die so groß ist wie Belgien, froh war, dass ich nur drei Monate vor mir hatte. Zu Hause dachte ich: Was soll schon so schlimm am Smog sein? Dass ich so häufig das obere Ende von Häusern einfach nicht sehen kann, war für mich unvorstellbar.

Luftqualitat? Na, wir haben zu Hause einen Verschmutzungswert von 20. Ab 80 sollen Kinder und ältere Menschen im Haus bleiben. Hier ist 200 die Untergrenze. An schlechten Tagen liegt der Wert über 400. Tief Luft zu holen habe ich mir abgewöhnt, undnachdem man draußen war, will man automatisch Hände und den Mund waschen.

Ich war schon in anderen Städten in China – das erste, was jedes Mal auffällt, ist die saubere Luft und wie leicht das Atmen fällt. Außer einer Atemmaske gibt es aber nicht viele Möglichkeiten, sich vor dem Smog zu schützen.

Ich habe sogar angefangen, hier Handball zu spielen – so wie in Baunatal. Das ist hier zu Lande draußen schon eine echte körperliche Herausforderung. Dabei habe ich einen anderen Baunataler getroffen, der in Peking gerade ein freiwilliges soziales Jahr absolviert. Wie klein die Welt doch ist! Das habe ich hier schon mehrmals festgestellt.

Besonders schwer ist es mir am Anfang gefallen, mich an bestimmte Verhaltensweisen der Chinesen zu gewöhnen. Als eine Praktikantin anfangs zu mir meinte „Das machst du irgendwann auch selbst“, wollte ich es gar nicht glauben.

Ganz typisch für die Pekinger ist das ständige Spucken. Egal, ob im Büro oder auf der Straße, überall wird hingespuckt. Ehrlich gesagt ist das bei der Luftverschmutzung auch verständlich. In Shanghai trifft man hingegen kaum auf spuckende Chinesen.

Sich in der Öffentlichkeit die Nase zu putzen ist hingegen unhygienisch. Kinder dürfen in der Öffentlichkeit überall hin pinkeln und tragen eigens für diesen Zweck Hosen mit Loch am Po. Denn Einhalten ist nach chinesischer Auffasung ungesund. Also soll man sich nicht wundern, wenn in einem Kaufhaus Pfützen auf der Erde sind.

Löcher in der Erde

Selbst benutzen die Chinesen hauptsächlich Toiletten, die einfache Löcher in der Erde sind. An der Arbeit haben wir normale Toiletten, an denen Schilder kleben, dass man sich nicht auf den Toilettensitz stellen soll. Bis ich darauf zum ersten Mal Schuhabdrücke gefunden habe, konnte ich auch nicht glauben, dass Leute auf die Brille klettern.

ZUR PERSON

Von Stefanie Flohr

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