Winde transportieren Schadstoffe von Autos

Bau der A44: Dicke Luft strömt bis nach Kassel

Kaufungen. Die Frischluftzufuhr im unteren Lossetal bis hin nach Kassel wird sich durch den Bau der A44 gravierend verschlechtern. Das befürchtet zumindest der Runde Tisch A44 Kaufungen.

Argumentative Schützenhilfe erhalten die A44-Gegner von dem Kaufunger Klimaökologen Dr. Martin Reinhold. Der hat an Langzeitstudien des Fachgebiets Umweltmeteorologie der Uni Kassel mitgearbeitet, in denen von 1987 bis 2007 die Luftströmungen im Lossetal und die Auswirkungen auf Kassel untersucht wurden.

Schädliche Autoabgase

Fazit: Die A44 hätte nie durchs Lossetal geplant werden dürfen, sagt Werner Neumayer, Sprecher der BI Pro A44 und Mitglied des Runden Tischs. Denn mit der Luftströmung gelangen die Autoabgase konzentriert ins Lossetal und bis nach Kassel, wo sie für dicke Luft sorgen.

Sollte die A44 im Lossetal gebaut werden, müsse sie auf einer langen Strecke vollständig eingehaust und die Luft gefiltert werden, ergänzt der Wissenschaftler Dr. Reinhold.

Die Luft im Kasseler Becken wird von den Rändern gespeist. Eine der Hauptfrischluftschneisen liegt dabei im Lossetal.

Nacht für Nacht

Betrachtet man die Karte der Luftströmungen im Osten von Kassel, denkt man an Bachläufe, die sich zu Flüssen vereinigen und in einem See münden. Zu sehen ist von all dem normalerweise nichts, nur die ins Schaubild übertragenen Messungen der Klimaforscher vermitteln einen visuellen Eindruck.

Der Wind in Bodennähe wehe in zwei Drittel der Fälle aus südöstlicher Richtung durchs Lossetal in Richtung Kassel, erläutert Dr. Reinhold. Dies geschehe trotz der vorherrschenden Westströmung, die in höheren Schichten wirksam sei. Die Luftströmung befördert – Nacht für Nacht – kalte Luft vom 25 Kilometer entfernten Hessisch Lichtenau bis nach Kassel. Dabei führt sie alles mit, was sich in der Luft befindet.

Dr. Reinhold fordert zum Schutz der Atemluft, die Autobahn zwischen Helsa und Papierfabrik komplett einzuhausen. Nur so könne verhindert werden, dass sich die Luft mit Schadstoffen anreichere. An den Enden und abschnittsweise dazwischen müsse die Luft gefiltert werden, um die Schadstoffe zu entfernen.

Die Autobahn in Troglage zu führen, wie dies bei Kaufungen geplant ist, sei absolut nicht ausreichend, meint der Wissenschaftler. Denn die kalte Luft fließe von den Seiten in den Trog, verbinde sich mit den Schadstoffen, und ströme dann im Trog Richtung Kassel.

Das Problem des Schadstofftransports bestehe vor allem in der Nacht, sagt Dr. Reinhold. Anders sei die Situation am Tag. Da trage die sich erwärmende Luft (Talwind) die Schadstoffe in die Höhe. Dort werde sie durch den Wald gefiltert.

Lkw-Fahrverbot

Wenn die Einhausung, die sehr teuer ist, nicht komme, müsse alternativ der Lkw-Verkehr während der Nacht eingeschränkt und umgeleitet werden, meint Dr. Reinhold.

Von Holger Schindler

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