„Die Älteren in die Mitte holen“

Sport ist wichtig: Deshalb spielen auch auf der Liste des Baunataler Seniorenarbeitskreises Bewegungsangebote in der Stadt eine Rolle. Archivfoto: privat / nh

Baunatal. Zu seinem Amtsantritt bekam er gleich ein Geschenk: Der Bürgermeister habe ihm die Zusage gegeben, dass nächstes Jahr zwei weitere Sportgeräte im Senioren-Fitnesspark aufgestellt werden. Wolfram Meibaum, dem neuen Vorsitzenden des Seniorenarbeitskreises, passt das gut ins Konzept.

Alte Menschen sollten so lange wie möglich mobil sein, er wolle der drohenden Vereinsamung durch Teilhabeangebote begegnen, sagt der 69-Jährige, der außerdem noch für die SPD in der Stadtverordnetenversammlung sitzt und Vorsitzender des Sozialausschusses ist. „Wir wollen die Älteren in die Mitte holen“, erklärt er.

Meibaum, der passionierte Schwimmer, Wanderer und Radler, hat sich für seine vierjährige Amtszeit viel vorgenommen. Gemeinsam mit den übrigen Arbeitskreismitgliedern und dem Behindertenbeirat hat er begonnen, die kleinen Alltagshürden, die älteren Menschen das Leben unnötig schwer machen, aufzuspüren.

Im Ratioland habe er festgestellt, dass sich keine einzige Kundentoilette im Erdgeschoss befindet, erzählt er. Und leider gebe es in dem Konsumtempel auch keine Einkaufswagen, an die sich ein Rollator andocken ließe. Die anderen Supermärkte will Meibaum ebenfalls unter die Lupe nehmen. Aber auch öffentliche Einrichtungen hätten Nachholbedarf. „Das Stadtmuseum in Altenritte kann kein Rollstuhlfahrer betreten“, sagt der gebürtige Biedenkopfer, der zuletzt Leiter der Gesamtschule Grebenstein war. Schließlich werde sich der Anteil der 80 Jahre und älteren Baunataler bis 2030 fast verdoppeln.

Er begrüßt, dass der noch aus 1994 stammende Altenplan der Stadt von einem neuen Konzept abgelöst worden ist: Nicht mehr Pflege und Versorgung, sondern die Teilhabe und das Potenzial des wachsenden Anteils betagter Baunataler stehen im Mittelpunkt.

Keine Altenheime mehr

Seit den 1990er-Jahren würden in Dänemark keine Altenheime mehr gebaut, stattdessen behindertengerechte Wohnungen mit Betreuungsangebot, sagt Meibaum. Das neue Wohnquartier am Stadtpark, das auch auf die Bedürfnisse Älterer eingeht, sei ein guter Ansatz in diese Richtung. Das gelte auch für das geplante Nachbarschaftshilfe-Projekt des Landkreises.

Das Potenzial der vielen rüstigen Senioren und Vorruheständler möchte Meibaum für die Gesellschaft nutzen. „Wir müssen Anreize geben, mitwirken zu können“, sagt er. Der Pensionär Meibaum ist da selbst ein Vorbild. Er ist stellvertretender Vorsitzender der Schwimmabteilung des KSV Baunatal. „Viele haben sich wenig Gedanken gemacht, wie es im Alter weitergehen soll“, meint Meibaum. Der Arbeitskreis will eine regelmäßige Seniorensprechstunde einrichten. Außerdem wolle man eng mit dem Behinderten- und dem Ausländerbeirat zusammenarbeiten.

Von Peter Dilling

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.