Interview: Vize-Landrätin Susanne Selbert (SPD) über eine Umgehungsstraße für Oberkaufungen

„Die Bedingungen sind schwierig“

Kaufungen. Mit der Entscheidung des Kaufunger Parlaments, den Saal des Bürgerhauses zu sanieren, rückt ein Supermarkt auf dem Riffer-Gelände näher. Um das Areal für den Verkehr zu erschließen, wird über eine Umgehungsstraße zwischen dem Kreisel und der Straße nach Nieste diskutiert. Wir sprachen mit der für den Bereich Bauen zuständigen Vize-Landrätin Susanne Selbert (SPD).

Frau Selbert, in Kaufungen wird wieder über den Bau der Umgehungsstraße diskutiert. Wie realistisch ist das Szenario?

Susanne Selbert: Die Realisierung von Straßenplanungen hängt von den baurechtlichen und den finanziellen Rahmenbedingungen ab. Beides ist für eine Umgehungsstraße im Zuge der Kreisstraße 6 schwierig. Auf Initiative der Gemeinde Kaufungen hatte sich das Amt für Straßen- und Verkehrswesen Kassel (ASV) bereits 2004 mit einer Ortsumgehung für Oberkaufungen beschäftigt. Im Zuge der Planung für die laufenden Baumaßnahmen an der Kreisstraße 6 zwischen Kaufungen und Nieste wurden die Planungen 2008 konkretisiert.

Und es traten Probleme auf.

Selbert: Als Problem stellt sich für die Umgehung besonders die Überwindung der Losse und der Eisenbahnstrecke. Problematisch ist auch die Finanzierung einer möglichen Ortsumgehung: 2008 hatte das ASV eine grobe Kostenschätzung von rund vier Millionen Euro abgegeben.

Wann könnte gebaut werden?

Selbert: Mit Blick auf eine Reihe von größeren Baumaßnahmen an Kreisstraßen in den nächsten Jahren wie zum Beispiel den Anschluss der Kreisstraße 47 von Grebenstein-Burguffeln zur hoffentlich bald realisierten Ortsumgehung der Bundesstraße 7 von Calden, der Kreisstraße 38 zwischen Rothwesten und Hohenkirchen, der Kreisstraße 17 zwischen Guntershausen und der Kreisgrenze zum Schwalm-Eder-Kreis und der Weserbrücke in Bad Karlshafen im Zuge der Kreisstraße 77 lässt sich zurzeit kein Termin nennen, an dem eine Ortsumgehung für Oberkaufungen Realität werden kann. Aktuell gibt es keine Planungsaufträge des Landkreises zu diesem Thema.

Ist angesichts der angespannten Finanzlage des Landkreises überhaupt an die Umgehungsstraße zu denken?

Selbert: Der Landkreis stellt im Rahmen der Vorgaben des Regierungspräsidiums für die Aufnahme von Krediten für Investitionen Komplementärmittel in den Finanzhaushalt ein, um so Fördermittel von Bund und Land nutzen zu können. In der Regel lassen sich pro Jahr eine größere Straßenbaumaßnahme wie die Kreisstraße 6 zwischen Kaufungen und Nieste und eine kleinere wie zum Beispiel die Kreisstraße 59 von der Bundesstraße 83 nach Kelze realisieren. Für mehr bietet der Kreishaushalt derzeit keinen Spielraum.

Von welchen weiteren Bedingungen hängt eine Verwirklichung der Pläne ab?

Selbert: Neben der Finanzierung spielt das Vorhandensein von Baurecht eine entscheidende Rolle. Da die Vorüberlegungen des ASV gezeigt haben, dass die Überbrückung der Bahnstrecke und die Naturschutzfragen rund um die Losse mehr als kompliziert sind, scheinen hier noch viele Fragen offen.

Von Peter Ketteritzsch

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