Drei Angeklagte aus dem Landkreis müssen sich vor dem Landgericht wegen Hehlerei verantworten

Diebesgut im eigenen Shop verhökert

Kaufungen / Vellmar. Zwei Angeklagte aus Kaufungen, die sich gegenwärtig vor dem Kasseler Landgericht verantworten müssen, hatten für den Begriff „Secondhand“ eine ganz eigene Interpretation entwickelt: Sie kauften gestohlene Kosmetika zu Spottpreisen an und verhökerten sie in ihrem Kasseler Laden, einem Secondhandshop. Unter anderem wegen Hehlerei müssen sie sich gemeinsam mit ihrem 33-jährigen Lieferanten aus Vellmar vor der 3. Strafkammer verantworten.

Der Prozess begann im März, am Mittwoch legte die 51-jährige Angeklagte ein Geständnis ab, ihr Anwalt Sven Schoeller erklärte, seine Mandantin hätte zwischen August und Oktober 2006 Kosmetika zu Preisen zwischen zwei und fünf Euro gekauft, um sie dann in ihrem Laden anzubieten. „Sie hielt es für möglich, dass diese Waren aus einer illegalen Quelle stammen und nahm das billigend in Kauf“, meinte ihr Anwalt.

Ihr Lieferant ließ über seine Anwältin erklären, dass ihn die 51-Jährige beauftragt habe, die Hehler-Ware zu beschaffen. Er kannte Märkte, auf denen er Nachschub beschaffen konnte. Unter anderem habe er auf einem Flohmarkt in Kassel Ware besorgt. Sein Gewinn habe einen, manchmal 1,50 Euro pro Produkt betragen.

Die Verteidiger der beiden hatten zuvor mit dem Gericht und der Staatsanwaltschaft ausgehandelt, dass ihre Mandanten als Gegenleistung für das Geständnis Strafen bekommen, die nicht über einem Jahr für die 51-Jährige und nicht mehr als 14 Monate für den 33-Jährigen liegen und zur Bewährung ausgesetzt werden.

Freilich geht es in diesem Prozess, der nach derzeitiger Planung noch bis Juni dauert, nicht nur um Hehlerei. Der 51-Jährigen und ihrem gleichaltrigen Partner wird vorgeworfen, sie hätten Einkünfte aus einer gewerblichen Altkleider- und Schuhsammlung dem Finanzamt verschwiegen oder dort nur teilweise angegeben. Zwischen 2001 und 2005 sollen sie so laut Anklage rund 37 000 Euro Umsatz- und Einkommensteuer hinterzogen haben.

Die 51-jährige Frau hat zudem, wie sie am Mittwoch ebenfalls einräumte, bei der Wohngeldstelle des Kreises Kassel zwischen 2004 und 2006 zu Unrecht rund 1200 Euro Wohngeld bezogen. Sie sei in diesem Zeitraum gar nicht bedürftig gewesen, so ihr Anwalt Schoeller, sie habe jedoch die Wohngeldstelle über ihre Einkommensverhältnisse getäuscht.

Abschiebung verhindert

Den beiden 51-jährigen Angeklagten wirft die Staatsanwaltschaft außerdem vor, sie hätten im Jahr 2006 in einer in Hamburg angemieteten Wohnung eine armenische Familie untergebracht, um zu verhindern, dass sie abgeschoben wird.

Heute wird der Prozess fortgesetzt. (pas)

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