Taten nicht nachweisbar

Nach Diebstahl an Friedhof in Eschenstruth: Freispruch für Angeklagten

+
Dreister Diebstahl: In Helsa-Eschenstruth wurden während einer Trauerfeier zwei Autos aufgebrochen. Doch der Täter konnte nicht überführt werden. Unser Foto zeigt eine nachgestellte Szene.

Helsa/Kassel. Die Diebstähle am Rande einer Beerdigung auf dem Friedhof in Eschenstruth bleiben ungeklärt. Am Montag sprach das Kasseler Amtsgericht den 50-Jährigen nach dem Grundsatz „in dubio pro reo“ frei – im Zweifel für den Angeklagten. Einvernehmlich.

Denn nach zwei Verhandlungstagen hatte auch Staatsanwalt Eckhard Töppel nicht mehr an der Schuld des mehrfach vorbestraften Kasselers festhalten wollen. „Dass das, was da passiert ist, eine große Sauerei war, ist klar“, sagte der Anklagevertreter. „Aber man kann sie dem Angeklagten nicht nachweisen.“

Die Taten spielten sich im Februar 2012 ab: An jenem Wintertag vor gut einem Jahr hatten zwei Männer eine Trauerfeier ausgenutzt, um auf Diebeszug zu gehen. Mit ihrem Mercedes waren sie auf den Parkplatz des Waldfriedhofs gefahren und hatten bei zwei Autos die Scheiben eingeschlagen. Aus dem Golf eines Trauergasts und dem BMW der Bestattungsunternehmerin entwendeten sie Handtaschen mit insgesamt rund 140 Euro Bargeld sowie EC-Karten. Mit einer der gestohlenen Karten wurden kurz darauf am Geldautomaten in Eschenstruth 1280 Euro abgehoben.

Zwar filmte die Überwachungskamera in der Bank einen der Täter. Doch die Bilder zeigen nur eine vermummte Gestalt, von der kaum mehr zu sehen ist als die Nasenspitze. „Ein professioneller Straftäter“, meinte Staatsanwalt Töppel.

Dennoch soll der Angeklagte auf den Aufnahmen von einem Kumpel erkannt worden sein. Jedenfalls hatte der ermittelnde Polizeibeamte das so notiert. Vor Gericht aber wollte der vermeintliche Belastungszeuge davon nichts mehr wissen.

„Der Polizist hat versucht, mich festzulegen – das konnte ich aber nicht“, beteuerte der 39-Jährige. „Man kann doch niemanden erkennen auf dem Foto.“

Das sah am Ende auch das Gericht nicht anders. „Das kann jeder sein“, befand Richterin Ferchland. Was damit noch blieb, waren allein die Beobachtungen eines Teilnehmers der Trauerfeier: Dem Rentner war der Mercedes am Tatort aufgefallen – und weil er die Insassen kurz darauf gleich mehrfach in Kassel wiedergesehen haben wollte, hatte er die Polizei überhaupt erst auf die Spur des 50-Jährigen gebracht.

Anders als die Kripo-Beamten stuften Gericht und Staatsanwaltschaft den Ermittlungseifer des 70-Jährigen allerdings als nicht allzu hilfreich ein.

„Er war sicher bemüht, eine ordnungsgemäße Aussage zu machen“, sagte Staatsanwalt Töppel. „Aber er hat halt zweimal die falschen Leute wiedererkannt.“

Von Joachim F. Tornau

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.